Im Wettkampfsport ist immer wieder zu beobachten, dass Athleten in besonders wichtigen Situationen nur mäßige Leistungen erzielen. Dieses Versagen unter Druck oder choking under pressure ist häufig bei solchen Fertigkeiten zu beobachten, die durch hohe koordinative Anforderungen geprägt sind. Im Rahmen der Arbeit wird den Fragen nachgegangen, welche Ursachen Leistungseinbußen in Drucksituationen zu Grunde liegen und welche kinematischen Veränderungen der Bewegungsausführung daraus resultieren.
Auf der Ebene motorische Kontrollprozesse werden drei plausible Erklärungsansätze für das Phänomen diskutiert. Empirische Belege anhand sportmotorischer Fertigkeiten liegen jedoch nur für eine Erklärungsrichtung vor, die in den letzten Jahren von verschiedenen Autoren mit ähnlichen Annahmen bearbeitet wurde und die unter dem Label Explicit Monitoring Theories zusammengefasst wird. Die Grundannahme besteht darin, dass in wichtigen Situationen eine Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Ausführungsprozess erfolgt und hierdurch eine Deprozeduralisierung automatisierter Fertigkeiten verursacht resultiert. Im empirischen Teil der Arbeit erfolgt in zwei Studien eine feldnahe Überprüfung der Vorhersagen der Explicit Monitoring Theories anhand des Basketball-Freiwurfs. An den Untersuchungen nahmen Spielerinnen der U16/U18-Kader des Deutschen Basketball Bundes teil. Die Ergebnisse der Studien legen eine etwas andere Interpretation der vorliegenden Daten nahe. Im Rahmen der Explicit Monitoring Theories wird die Aufmerksamkeitsrichtung (ausführungs- vs. umweltbezogen) als entscheidende Variable angesehen, die zu einer aufmerksam kontrollierten bzw. automatischen Ausführung führt. Dagegen zeigen sich in den vorliegenden Studien schlechtere Leistungen unabhängig von der Aufmerksamkeitsrichtung bei einer Fokussierung auf normalerweise nicht beachtete Aspekte. Folglich erscheint die Vertrautheit mit den Fokusbedingungen von besonderer Bedeutung für eine erfolgreiche Ausführung.
Die Wirkung von Druckbedingungen auf kinematische Veränderungen der Bewegungsausführung wurde bisher kaum untersucht. Mit Bezug auf Bernstein (1967) nehmen verschiedene Autoren ein Wiedereinschränken von Freiheitsgraden in Drucksituationen bzw. bei aufmerksam kontrollierter Ausführung an. Bei den durchgeführten kinematischen Analysen lassen sich die erwarteten Veränderungen auf Gelenkebene (kleinere Bewegungsumfänge, stärkere lineare Kopplungen) nicht betätigen. Bei der Analyse des Ballflugs zeigen sich aber unter Druckbedingungen erwartungsgemäß größere Streuungen der Abwurfparameter einhergehend mit schlechteren Trefferleistungen.
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