Die ischämische Fernpräkonditionierung (remote ischemic preconditioning, RIPC) ist eine sowohl experimentell als auch bereits klinisch genutzte Technik, um einen Ischämie-Reperfusions-Schaden an Organen, insbesondere am Herzen, zu reduzieren. In den beiden größten herzchirurgischen Studien, die prospektiv-randomisiert RIPC und Nicht-RIPC verglichen, konnten lediglich neutrale Ergebnisse bezüglich des Patienten- Outcomes gezeigt werden. Trotzdem ist die Thematik RIPC noch aktuell, da zum einen der hochkomplexe Wirkmechanismus von RIPC am Herzen noch nicht vollends geklärt ist, und zum anderen tierexperimentelle Studien auf eine vielversprechende Anwendung zum Erhalt anderer Organe hindeuten. Um die klinische Anwendung zu optimieren, ist es außerdem wichtig zu verstehen, weshalb kein RIPC-Benefit in den genannten Studien festzustellen war.Ein Teil der komplizierten RIPC-Signalkaskade ist das vaskuläre eRNA/RNase-System, wobei das RIPC-Manöver zu einer Erhöhung der Ischämie-protektiven RNase 1 führt, welche als natürlicher Gegenspieler zu extrazellulärer RNA (eRNA) fungiert. eRNA scheint TNF-alpha-mediiert den Zelluntergang zu triggern und somit das Ausmaß des Ischämie-Reperfusions-Schadens zu vergrößern.In der vorliegenden Arbeit wurden daher die Effekte von RIPC (3 x 5 min Hinterbein- Ischämie mit je 5 min Reperfusion nach jedem Zyklus) auf Ratten mittels isolierter Organperfusion in einem Langendorff-Apparat (je 90 min Ischämie und Reperfusion) getestet. RIPC wurde dabei anhand von Hämodynamik, Metabolismus und Strukturerhalt mit dem etablierten Kardioprotektionsverfahren der Calafiore- Blutkardioplegie verglichen. Passend zu den erwähnten klinischen Studien konnte auch hier RIPC keinen zusätzlichen Benefit und somit keine signifikant besseren hämodynamischen, metabolischen oder strukturellen Ergebnisse im Vergleich zu den Kontroll-, als auch den Calafiore-Gruppen liefern. Ebenso stimmig konnte jedoch auch ein signifikanter Anstieg der RNase-Aktivität im Plasma bei gleichzeitig signifikanter Reduktion der eRNA-Konzentration im Plasma festgestellt werden.Eine klinische Übertragbarkeit auf den Menschen ist ohne Frage nur mit großer Vorsicht zu formulieren. Jedoch weisen die Ergebnisse auch auf ein Grundproblem der RIPC- Praktikabilität hin: bereits bestimmte Analgetika und Anästhetika bewirken einen präkonditionierenden Effekt bzw. haben eine inhibierende Wirkung auf den RIPC- Signalweg. So ist nicht auszuschließen, dass RIPC unter bestimmter Analgesie/Anästhesie keinen zusätzlichen Benefit zu MIPC erreichen kann.
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