Ziel der Arbeit: Bei neutrophilen Granulozyten sollten Änderungen im Proteom als Reaktion auf verschiedene Stimuli detektiert werden, um deren pathophysiologische Rolle insbesondere im Rahmen des ST-Hebungs-Myokardinfarktes näher zu erforschen.Material und Methoden: Im Rahmen des ersten (in vivo-)Versuches wurden neutrophile Granulozyten von 3 STEMI-Patienten und 3 gesunden Kontrollen aus Vollblut isoliert. Im zweiten (in vitro-)Versuch wurden neutrophile Granulozyten von 3 gesunden Probanden aus Vollblut isoliert und anschließend jeweils, nebst Kontrollen, mit ATP, LPS und der Kombination aus ATP und LPS stimuliert. Anschließend wurden die in den neutrophilen Granulozyten enthaltenen Proteine mit der Protease Trypsin verdaut. Die daraus resultierenden Peptide wurden in einem Massenspektrometer (LTQ Orbitrap) analysiert und anschließend ausgewertet. So konnten quantitative Rückschlüsse auf die einzelnen in den neutrophilen Granulozyten enthaltenen Proteine gezogen und relative Veränderungen zwischen den Proben berechnet werden.Ergebnisse: In vivo konnten 2059 Proteine identifiziert werden, von welchen 34 Proteine signifikant reguliert waren. Bei den In vitro-Stimulationsversuchen wurden insgesamt 2599 Proteine identifiziert. Signifikant reguliert gegenüber den Kontrollen waren dabei 9 (ATP), 22 (LPS) und 29 (ATP/ LPS) Proteine. Die ATP- und LPS-Versuche zeigten keine proteomischen Überschneidungen. Zwischen den in-vivo und in vitro-Versuchen gab es minimale proteomische Überschneidungen.Diskussion: Bei STEMI-Granulozyten war ein proapoptotischer Proteomshift zu verzeichnen. Weiterhin waren Proteine der Immunantwort, der Zell-Zell-Kommunikation und des Vesikel- und Proteintransportes verstärkt reguliert. Dies bestätigt neutrophile Granulozyten als Immunzellen und legt nahe, dass sie aktiv in das Infarktgeschehen eingreifen und dabei eine maßgebliche Rolle spielen.Die Ergebnisse der Stimulationsversuche zeigten, dass ATP und LPS auf proteomischer Ebene verschiedene Veränderungen in neutrophilen Granulozyten hervorriefen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass neutrophile Granulozyten zwischen PAMPs (LPS) und DAMPs (ATP) unterscheiden und auf die septische und die sterile Inflammation jeweils spezialisiert reagieren können. Im Rahmen der simulierten septischen Inflammation waren dabei klassische Immun- und Abwehrprozesse stärker reguliert als nach ATP-Stimulation. Dies spricht dafür, dass die neutrophile Immunantwort auf septische Zustände stärker ausfällt als gegenüber sterilen Stimuli.
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