Die OAB ( overactive bladder ) ist eine weltweit verbreitete urologische Erkrankung, die beide Geschlechter betrifft und mit zunehmendem Alter gehäuft auftritt. Die Patienten leiden unter einem Symptomkomplex aus Pollakisurie, Nykturie und einem starken unwillkürlichen Harndrang (mit oder ohne Inkontinenz). Die für die Betroffenen enormen psychosozialen Belastungen führen gehäuft zu Depressionen. Die BOO stellt als nicht-neurogene Ursache - neben den neurogenen und idiopathischen - eine der möglichen Einflussvariablen in der multifaktoriellen Genese der OAB dar.Durch den Gebrauch von Antimuskarinika im klinischen Alltag über Jahrzehnte hinweg, ist zwar ein positiver Effekt auf den unteren Harntrakt nachweisbar, aber die entscheidende Rolle von ACh in der Aufrechterhaltung der Harnblasenfunktion konnte erst in der letzten Dekade durch internationale Projekte der Grundlagenforschung und klinischen Studien herausgearbeitet werden. ACh und dessen cholinerge Komponenten kommen u.a. im Urothel der Harnblase vor. Mittlerweile wird ACh eine para- und autokrine Funktion im Urothel und auch in anderen non-neuronalen Geweben zugeschrieben, wodurch sich ein erweitertes Verständnis in der Physiologie der Harnblase, aber auch der Pathophysiologie der OAB entwickelte.Das erprobte Tiermodell der pBOO (= partielle Blasenauslassobstruktion) diente der vorliegenden Arbeit als pathomechanische Grundlage, um Synthese- und Freisetzungsmechanismen von ACh im murinen Urothel zu untersuchen. Es wurden hierzu drei Gruppen gebildet: 1. BOO (= operiert), 2. Sham (= scheinoperiert), 3. Nativ (= unbehhandelt). Der funktionelle Effekt der partiellen Obstruktion sollte anhand von OAB spezifischen Parameter in der Cystomanometrie dargestellt werden. In Folge wurden im abradierten Urothel die Expression der Gene von CHT1, ChAT, OCT1-3 und SLC10A4 mittels RT-PCR in BOO und Nativ und zur relativen Quantifizierung von SLC10A4 und OCT1 mittels realtime RT-PCR innerhalb der drei Gruppen (BOO, Sham und Nativ) analysiert.Cystomanometrisch zeigten sich keine eindeutigen OAB-spezifischen Merkmale in der BOO Gruppe, da kein statistisch signifikanter Unterschied von PP (= peak to peak ), MI (=Miktionsintervall) und CFunkt. (=funktionelle Blasenkapazität) im Vergleich mit Sham und Nativ ermittelt wurde. Hauptsächlich obstruktive Parameter wie das RV (=Residualvolumen) und PMax (maximaler Detrusordruck während einer Miktion) waren im Vergleich zu den Kontrollen (Sham und Nativ) statistisch signifikant erhöht. Morphologische Änderungen der Harnblasen von der BOO-, aber auch von der Sham-Gruppe konnten in HE-Schnittbildern abgebildet werden. Das Blasengewicht als indirektes Zeichen der pBOO unterschied sich zwischen BOO und Nativ statistisch hoch signifikant. Im Kontrast dazu unterschied sich das Blasengewicht zwischen BOO und Sham nicht. In abradierten Urothezellen konnte ein Vorkommen von ChAT, CHT1 und OCT2 weder in der BOO-(n=3), noch in der Nativ-Gruppe nachgewiesen werden, wohingegen von OCT1 (n=3) und SLC10A4 (n=5) in der BOO-Gruppe erbracht werden konnte. SLC10A4 (n=5) wurde in drei Proben, OCT1 (n=3) in zwei Proben und OCT3 (n=3) in allen drei Proben positiv bestimmt. Die realtime RT-PCR-Untersuchungen lieferten keinen statisch signifikanten Unterschied von OCT1 (p=0,75) und SLC10A4 (p=0,69) zwischen den den drei Gruppen.Der Schweregrad des strukturellen Umbauprozesses der Harnblase, aber auch das Auftreten der OAB-Symptomatik in Folge der BOO könnte von der Dauer und dem Grad der Obstruktion abhängig sein. Aufgrund der RT-PCR-Ergebnisse waren eine tendentielle Zunahme von OCT3 und eine Abnahme von OCT1, sowie SLC10A4 in der Expression dieser Gene auf mRNA-Ebene zu vermuten, aber ein statistisch signifikanter Unterschied auf dem relativen Expressionsniveaus von SLC10A4 und OCT1 konnte hingegen nicht belegt werden. Hieraus kann eine Veränderung der Dichte von cholinergen Komponenten im Urothel -in Folge der pBOO- nicht abgeleitet werden. Die Vermutung, dass sich durch eine veränderte Expression des NNCS im Urothel die Vermittlung des afferenten Reflexes in der Harnblase beeinflussen könnte, bleibt somit unvollständig und unbestätigt. Andererseits könnte die Persistenz des NNCS im Urothel eine entscheidende Bedeutung für die Pharmakotherapie besitzen. Mit Hilfe von OCT1 und OCT3, sowie SLC10A4 könnten Medikamente bspw. Antimuskarinika - durch das Urothel transportiert werden, um dann suburothelial ihre Wirkung zu entfalten. In Anbetracht der Tatsache, dass verschiedenste lokale (z.B. Dehnungsreiz und Urinmillieu) als auch systemische Faktoren (Alter und Komorbiditäten) auf das Urothel einwirken und einen strukturellen Wandel auf suburothelialer Zellebene (Hyperplasie und Denervierung) nach sich ziehen, ist eine Beeinflussung der Effektivität der Antimuskarinika zur Therapie der OAB denkbar.
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