Die Proopiomelanocortin(POMC)-Fragmente beta-Endorphin und beta-Lipotropin kommen im menschlichen Organismus sowohl im Zentralnervensystem wie auch in peripheren Kompartimenten vor. In Stresssituationen werden diese Fragmente vermehrt aus der Hypophyse ins Blut freigesetzt und in die Peripherie transportiert. Eine Reihe von Informationen deutet auf eine immunologische Bedeutung beider Fragmente hin; ihre Funktion ist jedoch bis jetzt ungeklärt.Um weiterführende Informationen zur Interaktion von beta-Endorphin und beta-Lipotropin mit bestimmten Komponenten des Immunsystems zu gewinnen, wurden Versuche mit Monozyten der Zelllinie THP-1 durchgeführt; Monozyten besitzen eine zentrale Funktion innerhalb sowohl der unspezifischen als auch der spezifischen Immunantwort. Ergebnisse von Bindungsversuchen bestätigten bereits vorliegende Befunde, wonach die Bindung beider POMC-Fragmente über ihre C-Termini an Bindungsstellen auf den Monozyten erfolgte. Im Rahmen dieser Arbeit konnte erstmals gezeigt werden, dass das endogene Opioid beta-Endorphin über diese Bindungsstellen in die Monozyten internalisiert wird - im Gegensatz zu dem (erheblich größeren) POMC-Fragment beta-Lipotropin.Weiterhin konnte gezeigt werden, dass die Internalisierung des beta-Endorphins über den Chemokinrezeptor CCR5 erfolgt. Unter dem Einfluß des Opioids Morphin konnte eine Steigerung der CCR5/beta-Endorphin-Bindung, d.h. der CCR5-Dichte auf den Monozyten, erreicht werden, was auf den Einfluss von Opioiden auf die Immunoregulation hinweist - bei Patienten wie bei Substanzabhängigen. Klinisch relevant ist dieser Befund darüberhinaus deshalb, weil dadurch das Risiko einer HIV-Infektion durch M-trope HIV-1 Stämme gesteigert sein könnte.Ein chemotaktischer Einfluß von beta-Endorphin über den Chemokinrezeptor CCR5 auf Monozyten oder auf zu Makrophagen ausdifferenzierte THP-1 Zellen sowie auf native Monozyten konnte in Migrationsversuchen nicht nachgewiesen werden. Die Funktion von beta-Endorphin im Rahmen der CCR5/beta-Endorphin-Internalisierung könnte jedoch für andere Prozesse der Monozyten Bedeutung besitzen, wie neuere Befunde zum Komplex Chemokine versus Opioide an Monozyen zeigen: diese zeigen nämlich eine Wechselwirkung zwischen Chemokinen und Opioiden an Rezeptoren von Monozyten mit dem Resultat einer gegenseitigen Rezeptordesensibilierung. Auf diesem Wege könnte beta-Endorphin regulative Wirkungen auf Komponenten des Immunsystems auslösen.In Versuchen mit Keratinozyten zeigte sich jedoch unter dem Einfluss von beta-Endorphin ein chemokinetischer Effekt. In Prozesssen der Wundheilung könnte dieser chemokinetische Effekt von Bedeutung sein.Die in dieser Arbeit erhobenen Befunde konnten einen Beitrag zur Aufklärung der komplexen Interaktion von POMC-Fragmenten mit Zellen des Immunsystems leisten, jedoch sind weiterführende Untersuchungen für das Verständnis der Funktionen dieser POMC-Fragmente erforderlich.
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