Phylogenetische Studien an Wildschweinen in Deutschland
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Zusammenfassung
Dem Wildschwein als Wildart mit hoher Dichte und steigender Ausbreitungstendenz kommt nicht nur von wissenschaftlicher Seite ein hohes Maß an Interesse zu. Durch die ihnen zu eigene, hohe Invasivität sind Wildschweine in fast ganz Deutschland in nicht unbeträchtlichen Zahlen beheimatet und kollidieren - auch immer häufiger im urbanen Raum - mit menschlichen Interessen; nicht zuletzt verursachen Wildschweine hohe wirtschaftliche Schäden in Land- und Forstwirtschaft.Wildschweine aus den verschiedensten Regionen Deutschlands wurden mittels Mikrosatellitenanalyse genotypisiert. Dabei wurde ein Set von acht Mikrosatelliten (SW1701, SW1979, S0005, S0070, SW288, SW2052, S0228, S0359) verwendet. Die Mikrosatelliten-DNA wurde mittels PCR amplifiziert und unter Verwendung der Polyacrylamidgelelektrophorese optisch dargestell; anschließend erfolgte eine populationsgenetische und statistische Auswertung.Mit den gewählten Mikrosatelliten ließen sich über 90 % der Tiere differenzieren. Die beobachtete Heterozygosität lag mit 0,663 etwas über dem Wert anderer europäischer Studien, ebenso die erwartete Heterozygosität (0,757). Der vorhandene Wahlund-Effekt spricht für eine Substrukturierung der Population, was durch die Ergebnisse des Hardy-Weinberg-Gleichgewichts und der F-Statistiken bestätigt wird. Hinweise darauf, dass die Population einen genetischen Flaschenhals durchlaufen hat, ließen sich nicht finden. Insgesamt zeigt die Population der Wildschweine in Deutschland eine hohe genetische Diversität und ist gleichzeitig stark differenziert und in verschiedene kleinere Einheiten bzw. Subpopulationen unterteilbar. Die starke Differentiation wirkt sich aber nicht reduzierend auf die Diversität innerhalb der Reviere bzw. Subpopulationen aus.Während FRANTZ et al. (2012) keine Barrierewirkung durch Autobahnen in Belgien für das Wildschwein nachweisen konnten, zeigte sich in der vorliegenden Studie eine solche Barrierewirkung deutlich. Großen Bahntrassen, Kanälen und Flüssen ließen sich keine signifikanten Barrierewirkungen nachweisen. Auch erwies die ehemalige Innerdeutsche Grenze keinen, den Genfluss beeinflussenden, Effekt.Diese Studie liefert erstmals einen deutschlandweiten Einblick in die genetische Struktur der Wildschweinpopulation. Das gewählte Mikrosatellitenset ermöglichte eine präzise Differenzierung und Identifizierung der einzelnen Individuen und anschließende Weiterverarbeitung der Ergebnisse. Die klassischen Parameter der Populationsgenetik konnten für die Gesatmtpopulation und die einzelnen Reviere erfolgreich erhoben werden. Des Weiteren konnte eine signifikante Habitatfragmentierung durch Bundesautobahnen offengelegt werden. Demnach wurde das Ziel, sich einen Überblick zu verschaffen, erreicht. Weiterer Forschungsbedarf besteht in der Verknüpfung der genetischen Struktur mit der Verbreitung von Wildkrankheiten.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : Laufersweiler
