Hepatitis B Virus (HBV) ist eines der wichtigsten humanpathogenen Viren. Da HBV schwierig zu untersuchen ist werden oft Modellviren aus derselben Familie (Hepadnaviridae) verwendet. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wurden natürlich auftretende Virus-Varianten im Genus Orthohepadnavirus näher charakterisiert. Dazu wurden zunächst Genom-Abschnitte des Arktischen Hörnchen Hepatitis Virus (ASHV) kloniert, sequenziert und dann einer Sequenzanalyse unterzogen. Es wurden zwei ASHV-Seren untersucht, von denen die eine Probe aus einem chronisch mit ASHV infizierten Arktischen Hörnchen stammte (ASHV3P), die andere aus einem experimentell, akut mit ASHV infizierten Waldmurmeltier (ASHV3537). Die beiden Klon-Sequenzen unterschieden sich auf Nukleotidebene nur um 0,3 %, so dass die Notwendigkeit einer Anpassung an den neuen, phylogenetisch verwandten Wirt (Waldmurmeltier) weitgehend ausgeschlossen werden konnte. Die Nukleotid-Differenz der beiden Klone ASHV3P und ASHV3537 zur publizierten Sequenz ASHVAGU29144 [Testut et al., 1996] lag dagegen überraschenderweise bei 13,0 % bzw. 12,9 %. Daher handelte es sich um einen neuen Genotyp des ASHV, der vom zuerst beschrieben Genotyp fast so weit entfernt war wie von den entsprechenden Viren in Waldmurmeltieren (WHV) oder Erdhörnchen (GSHV).Im zweiten Teil der Arbeit wurden Quasispezies von HBV-Varianten bei okkulter Hepatitis B Infektion (OBI) in 14 Serumproben analysiert. Die OBI ist ein zunehmendes Problem bei der Sicherheit von Blutspenden und bei der immunsuppressiven Behandlung von Patienten. Sie zeichnet sich durch Nichtnachweisbarkeit der, an sich vorhandenen, HBV-Surface-Proteine aus. Die Gründe dafür sind nicht genau bekannt, eine Immunselektion von Mutanten wird vermutet. Es wurde hier nachgewiesen, dass die Mutationsrate im offenen Leserahmen der HBV-Surface-Proteine (S-ORF) höher lag als im überlappenden Polymerase-ORF. Es wurde eine besonders hohe Variabilität in der Antigen-Schleife der HBV-Surface-Proteine detektiert (4,43 %-14,43 %), während die für die Virusanheftung essenzielle PräS-Domäne im Vergleich stärker konserviert war (0,83 %-2,86 %). Daraus resultierte eine 19 bis 62 Mal höhere Variabilität für die HBsAg-Schleife bei den OBIs als bei normalen HBsAg-positiven HBV-Infektionen. Es wurde eine Reihe von escape-Mutanten identifiziert, obwohl die Proben keinen messbaren protektiven Antikörper (anti-HBs) enthielten. Dennoch kann von einer gerichteten Selektion im S-ORF ausgegangen werden, da die Differenzierung in synonyme und nicht-synonyme Substitutionen eindeutig gezeigt hat, dass sich die Mehrheit der Mutationen direkt auf die AS-Sequenz des S-ORF auswirkt. Das Virus versucht also der Immunkontrolle des Wirtes durch Veränderungen der variierbaren B-Zell-Epitope in den Surface-Proteinen zu entgehen.Im letzten Teil der Arbeit wurden zum einen HBV-Konstrukte in einem etablierten Zellkultursystem exprimiert, zum anderen wurde versucht die HBV-Infektion mit affinitätsgereinigten, neutralisierenden Antikörpern im Primären Tupaia Hepatozyten -Infektionssystem zu inhibieren. Eine vollständige Inhibition der HBV-Infektion wurde allerdings nur bei Konzentrationen von 30 mIU/ml anti-HBs einer vakzinierten Person erreicht.
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