Das in Rio de Janeiro 1992 geprägte Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ist aus der politischen Diskussion heute nicht mehrwegzudenken. In den alltäglichen Sprachgebrauch hat der Begriff hingegen noch keinen Einzug gefunden und ist den meistenBundesbürgern auch gänzlich unbekannt. Betrachtet man jedoch die Stoffströme, die durch den privaten Konsum verursacht werden, sozeigt sich, daß hier Einiges getan werden müßte, um eine nachhaltige(re) Entwicklung zu erreichen. Bisher steht die Forschung hier nocham Anfang: beispielsweise sind geeignete Instrumente zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im Konsumbereich nur teilweise untersucht, es istbisher auch nicht klar, was nachhaltige Produkte eigentlich sind und wie bzw. woran die Verbraucher sie erkennen sollen. Ein denkbaresInstrument zur Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung im Konsumbereich wäre daher eine Kennzeichnung solch nachhaltiger Produktemit einem Nachhaltigkeitszeichen, um den Verbrauchern eine Entscheidungshilfe beim Kauf zu bieten. Die vorliegende Arbeit untersuchtwissenschaftlich die These, ob und inwieweit ein Nachhaltigkeitszeichen einen sinnvolles Instrument zur Umsetzung einer nachhaltigenEntwicklung sein könnte.
Aufgrund der interdisziplinären Anspruchs der Fragestellung wird eine Kombination verschiedener Methoden gewählt, um derKomplexizität des Themas gerecht zu werden: Zuerst werden bereits existierende Produktlabel aus dem ökologischen und sozialenBereich analysiert und mittels eines Analyserasters ausgewertet. Ziel ist es, daraus Rückschlüsse für ein Nachhaltigkeitszeichen zu ziehen.Weiterhin werden Experteninterviews geführt, um die Arbeitshypothesen der Arbeit zu überprüfen. Aus den Ergebnissen der Analyse undder Interviews werden Vorschläge für die Gestaltung eines Nachhaltigkeitszeichens abgeleitet. Im Anschluß daran werden die Vorschlägeanhand von drei Produktbeispielen (Bekleidungstextilien, Kühlgeräte, Holzfertighäuser) überprüft.
Die Untersuchung zeigt, daß ein Nachhaltigkeitszeichen durchaus ein sinnvolles Instrument zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklungsein kann - wenn es entsprechend konzipiert wird. Das heißt vor allem auch, daß die Konzeption eines Nachhaltigkeitszeichensmethodisch und empirisch auf der wissenschaftlichen Ebene abgesichert sein sollte. Darüber hinaus sollte ein Nachhaltigkeitszeichenunabhängig organisiert sein, die relevanten gesellschaftlichen Gruppen sollten in den Diskussionsprozeß einbezogen werden, es sollte miteiner gut konzipierten Marketingkampagne verknüpft sein und einen eingängigen Namen und Logo erhalten. Weiterhin sollte einNachhaltigkeitszeichen im Gegensatz zu den existierenden Labeln ein Prozeß-Label sein, das eine Kriterienfortschreibung entsprechenddem immer weiterlaufenden Nachhaltigkeitsprozeß ermöglicht. Ein so konzipiertes Nachhaltigkeitszeichen könnte - das zeigt auch dieÜberprüfung der Vorschläge an den drei Produktbeispielen - einen wertvollen Beitrag zur Information der Verbraucher in punctoNachhaltigkeit leisten und somit auch zur Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung beitragen. Wünschenswert erscheint zudem eineWeiterführung und Weiterentwicklung des interdisziplinären Forschungsansatzes, da im Rahmen dieser Arbeit nicht alle Fragenabschließend beantwortet werden können.
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