Determinanten der Erinnerungsverzerrung bei der Einschätzung der postoperativen Lebensqualität von Patientinnen mit Brustkrebs

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Das Ziel der vorliegenden Arbeit bildete die Untersuchung der Erinnerung von überlebenden Frauen einer Brustkrebserkrankung an ihre postoperative Lebensqualität bei Krankenhausentlassung. Es wurde analysiert, ob eine systematische Erinnerungsverzerrung auftritt und wie sie durch die Persönlichkeitsmerkmale Repression/ Sensitization und negative Affektivität sowie durch die aktuelle Lebensqualität beeinflusst wird.An der Fragebogenerhebung beteiligten sich 133 Frauen (Responserate 80%), die ursprünglich Teil einer prospektiven Längsschnittstudie zur Lebensqualität waren. In der vorliegenden Untersuchung wurden sie 6 bis 8 Jahre postoperativ zu ihrer derzeitigen Lebensqualität und zu ihrer postoperativen Lebensqualität bei Klinikentlassung aus heutiger Sicht befragt (EORTC QLQ-C30, QLQ-BR23). Die abhängige Variable bildete die Erinnerungsverzerrung in zehn Lebensqualitätsdimensionen (Differenz prospektiver und retrospektiver Lebensqualitätsmesswerte). Als Prädiktoren wurden ein dimensionalisiertes Maß für Repression/ Sensitization (ABI), negative Affektivität (PANAS) und die aktuelle Lebensqualität untersucht sowie medizinische und demografische Variablen erhoben.Es zeigte sich, dass die Lebensqualität auf sieben der zehn Skalen rückblickend signifikant unterschätzt wurde. Eine subjektiv bessere Erinnerungsleistung ging mit keiner objektiv genaueren Erinnerung einher. Eine Analyse des individuellen Zusammenhangs jedes Prädiktors mit der Erinnerungsverzerrung anhand linearer Regressionsanalysen ergab, dass eine geringere aktuelle Lebensqualität sowie höherer negativer Affekt auf allen zehn Skalen signifikant zu einer stärkeren Unterschätzung der erinnerten Lebensqualität beitrugen. Repression/ Sensitization bildete unter Bonferroni-Korrektur hingegen keinen signifikanten Prädiktor. Im multiplen linearen Regressionsmodell mit allen drei Prädiktoren und der Kontrolle medizinischer und demografischer Störvariablen war eine signifikant stärkere rückblickende Unterschätzung der Lebensqualität auch weiterhin auf allen zehn Skalen mit einer geringeren aktuellen Lebensqualität sowie auf sechs Skalen mit höherem negativem Affekt assoziiert. Repression/ Sensitization bildete lediglich für die Erinnerung der Sozialen Funktionsfähigkeit einen signifikanten Prädiktor, wobei Represser entgegen der Erwartung ihre Lebensqualität hier stärker unterschätzten. Den einflussreichsten der drei Prädiktoren bildete für acht Skalen die aktuelle Lebensqualität und für die beiden verbleibenden Skalen negativer Affekt.Die Ergebnisse bestätigen einen systematischen Recall Bias in Richtung einer rückblickenden Unterschätzung der krankheitsbezogenen Lebensqualität von langzeitüberlebenden Frauen einer Brustkrebserkrankung. Hierzu tragen insbesondere eine schlechtere aktuelle Lebensqualität und höhere negative Affektivität bei. Dies ist bei der Interpretation retrospektiver Lebensqualitätsangaben zu berücksichtigen. Die Ergebnisse werden unter dem Aspekt der theory of change or stability, response shift sowie der mood congruency theory diskutiert.

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