Kontrollierte klinische Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Entwicklung der Pansenmotilität bei Milchkühen

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Kontrollierte klinische Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Pansenmotilität bei Milchkühen mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung Einleitung: In einer vorherigen Studie über den Einfluss einer Akupunkturbehandlung auf die postoperative Entwicklung bei Kühen mit linksseitiger Labmagenverlagerung (Freudenberg, 2010) ergaben sich bezüglich der geprüften Hauptzielkriterien keine signifikanten Unterschiede zwischen Akupunktur- und Kontrollgruppe. Hinsichtlich der zusätzlich als Nebenzielkriterium berücksichtigten auskultatorisch beurteilten Pansenkontraktionen fand sich jedoch eine statistisch signifikante Überlegenheit der Akupunkturgruppe. Um diesen Befund anhand objektiv messbarer Kriterien zu überprüfen, wurde in der nunmehr präsentierten Studie nochmals das gleiche Akkupunkturschema angewandt und dabei die Pansenkontraktionen mittels Ruminographie registriert. Material und Methoden: Bei den Probanden handelte es sich um 80 Kühe der Rassen Deutsche Holsteins (n = 74), Deutsches Fleckvieh (n = 2), Rotvieh (n = 2), Rotbuntes Niederungsrind (n = 1) sowie ein Kreuzungstier aus zwei Milchrinderrassen (n = 1), die zur stationären Behandlung einer rechtsseitigen Labmagenverlagerung in die Klinik eingeliefert wurden. Das Durchschnittsalter dieser Kühe betrug 4,6 Jahre (2 11 Jahre). Einschlusskriterium war das Vorliegen einer rechtsseitigen Labmagenverlagerung, unabhängig von Verlagerungsgrad, Grad der Drehung oder Krankheitsdauer. Ausschlusskriterien waren puerperale fieberhafte (> 39,5 °C) Metritiden, Mastitiden mit grobsinnlich verändertem Milchsekret, mittel- bis hochgradige Lahmheiten sowie Euthanasie intra operationem aufgrund infauster Befunde. Am Morgen des ersten Tages (Versuchstag 1) wurden nach erfolgreich abgeschlossener Labmagenoperation (Laparotomie von rechts mit Omentopexie nach Dirksen) die Probanden auf die Versuchsgruppe (n = 40) und auf die Kontrollgruppe (n = 40) randomisiert. Die Randomisierung erfolgte mittels einer per Computerprogramm (Rancode®, Fa. IDV Datenanalyse und Versuchsplanung, Gauting) vorab erstellten Zufallsliste, indem ein mit der Probandennummer beschrifteter Umschlag geöffnet und das darin befindliche Kärtchen mit den entsprechenden Angaben entnommen wurde. In der Versuchsgruppe wurden an den Tagen 1 und 3 p. op. folgende fünf Punkte für jeweils 20 Minuten akupunktiert: Pi Shu, Shi Zang, Du Jiao, Magen 36 (Ma 36) und Milz/Pankreas 6 (MP 6). In der Kontrollgruppe unterblieb dies, doch beschäftigte sich die für die Durchführung der Akupunktur zuständige Tierärztin über dieselben Zeiträume in ähnlicher Weise mit den Patienten. Die Ruminographie erfolgte an den Versuchstagen 1 und 3 jeweils um 9:30 Uhr und um 10:30 Uhr für jeweils 30 Minuten, d. h. in der Versuchsgruppe jeweils vor und nach einer Akupunkturbehandlung. Verwendet wurde dazu ein ursprünglich für die Humangeburtshilfe entwickelter Vierkanaltokograph, welcher zur Erfassung der Pansenmotilität adaptiert wurde. Die erfassten Signale wurden über Bluetooth an einen tragbaren Computer gesendet und dort abgespeichert. Zur Datenauswertung wurde speziell für diese Zwecke ein auf dem Programm MATLAB® basierendes Softwareprogramm entwickelt (Werner, 2012). Alleiniges Hauptzielkriterium war die ruminographisch gemessene Pansenmotilität. Zudem wurden folgende Nebenzielkriterien erfasst: Tagesmilchleistung, Basenabweichung (BE) im venösen Blut sowie die & #61538;-Hydroxybutyrat-Konzentration im Plasma. Ergebnisse: In der Kontrollgruppe verstarben zwei Probanden am 2. Versuchstag aufgrund eitrig-nekrotisierender Ruminitis mit hochgradiger Peritonitis bzw. eitrigjauchiger Endometritis und ulzerativer Abomasitis. In der Akupunkturgruppe musste eine Kuh aufgrund hochgradiger Labmagenanschoppung und eitrig-ulzerativer Abomasitis am 3. Versuchstag eingeschläfert werden. Insgesamt wurden von den Probanden der Akupunkturgruppe 37 Tiere, von denjenigen der Kontrollgruppe 36 Tiere als geheilt aus der Klinik entlassen. Zum Gruppenvergleich konnten nur die Daten von 38 Tiere je Gruppe berücksichtig werden, da bei einem festliegenden Probanden der Akupunkturgruppe am Tag 3 keine Ruminographiedaten erfasst werden konnten. Bezüglich der ausgewerteten Ruminographiedaten konnten zwischen Akupunkturund Kontrollgruppe keine signifikanten Unterschiede nachgewiesen werden. Es kam allerdings zu einer gruppenunabhängigen signifikante Verbesserung der Pansenmotorik im Verlauf der Studie. Gleiches galt hinsichtlich des Nebenzielkriteriums Milchleistung. Für die & #61538;-Hydroxybutyrat-Konzentration konnte zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Der Gruppenunterschied bezüglich der Basenabweichung war zwar signifikant, mit etwas günstigeren Werten in der Kontrollgruppe, doch dürfte dieser minimalen Differenz von 3,1 bis 4,1 mmol/l keine klinisch signifikante Bedeutung zukommen. Schlussfolgerungen: Die in der Arbeit von Freudenberg (2010) auskultatorisch festgestellte Stimulierung der Pansenmotilität durch Akupunkturbehandlung konnte bei Überprüfung anhand objektiver Kriterien nicht bestätigt werden. Damit ergeben sich keine verifizierbaren Hinweise auf eine positive Wirkung der Akupunkturbehandlung bei Kühen nach operativer Korrektur einer Labmagenverlagerung.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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