Sialinsäuren sind alpha-Ketosäuren, die ein Grundgerüst aus neun Kohlenstoffatomen besitzen und eine Carboxylgruppe in C1-Position sowie eine Ketogruppe in C2-Position trägt. Von den natürlich vorkommenden über 50 Neuraminsäure-Derivaten werden nur wenige für die Biosynthese von Oligo- bzw. Polysialinsäuren (PolySia) benutzt. Dabei spielt in Säugern für den Aufbau einer alpha2,8-verknüpften Polysialinsäurekette, die durchaus mehr als 50 Einzelbausteine besitzen kann, die N-Acetylneuraminsäure die wichtigste Rolle. Durch den Grundaufbau ist dieser saure Zucker ein stark negativ geladenes Molekül, welches als posttranslationale Modifikation auf Proteinen vorkommen kann. Die häufigsten Forschungsergebnisse brachten PolySia mit der Regulation von Migrationsprozessen und Zell-Zell-Kontakten als Oberflächenbestandteil von Zellen des Nervensystems in Verbindung, eine Funktion die PolySia scheinbar auch in anderen Organsystemen während der Entwicklung übernimmt. Darüber hinaus konnten aber auch viele andere Funktionen von PolySia nachgewiesen werden, wie z.B. die Interaktion mit extrazellulären Histonen sowie die Inaktivierung derer zytotoxischen Eigenschaften.In der vorliegenden Arbeit konnte PolySia sowohl in Kälberserum als auch im Blutserum sowie Blutplasma von Menschen detektiert werden. Interessanterweise waren sowohl im Serum als auch im Plasma die PolySia-Ketten mit mehr als 30 Sialinsäureresten potenzielle Bindungspartner für extrazelluläre Histone. Tatsächlich zeigten die Versuche, dass PolySia und Histon H1 in Plasma miteinander interagieren. Zudem war PolySia im Plasma auch in Proteinlysaten von isolierten extrazellulären Vesikeln nachweisbar. Basierend darauf wurden die Auswirkungen von extrazellulären Vesikel auf die Zytotoxizität von Histonen überprüft. Dabei konnte festgestellt werden, dass ein Abfall der Zytotoxizität von Histonen durch extrazelluläre Vesikel erreicht werden kann.Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass PolySia in Verbindung mit Histon H 1 und extrazellulären Vesikeln im Blut vorliegt und im Blutsystem einen positiven Einfluss auf die Zytotoxizität von extrazellulären Histonen haben könnte. Dieses Zusammenspiel zwischen Histonen, NET, extrazellulären Vesikeln und PolySia könnte diverse physiologische Mechanismen beeinflussen. Daraus könnten sich Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie verschiedenster, mit NET assoziierter Veränderungen ergeben, die Teil weiterer Forschungsarbeiten sein werden.
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