Untersuchungen zum präferierten Liegeplatz von Saugferkeln in Abhängigkeit von Raum- und Oberflächentemperatur mit oder ohne Wasserbett
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Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde eine Temperaturkurve entwickelt, welche über die Beobachtungen des Liegeverhaltens der Saugferkel in Wahlversuchen mit unterschiedlichen Oberflächentemperaturen der Ferkelnester und unterschiedlichen Raumtemperaturen erstellt wurde. Es wurden in dieser Untersuchung auch die Lebendmasseentwicklung im Bezug zu den Ferkelnestern dokumentiert Darüber hinaus wurden Untersuchungen zum Energieverbrauch der jeweiligen Ferkelnesttypen Elektroplatte und Warmwasserbett durchgeführt. Die Untersuchungen wurden an 321 Ferkeln in zwei klimatisierten Wahlversuchsbuchten mit je zwei Ferkelnestern, welche unterschiedliche Oberflächentemperaturen aufwiesen, in 12 Durchgängen durchgeführt. Anhand der erlangten Versuchsergebnisse können folgende Aussagen gemacht werden: 1. Liegeverhalten Es zeigte sich deutlich, daß die Ferkel bei einer Raumtemperatur von 18°C (mögliche Wintersituation) das Ferkelnest mit der höheren Starttemperatur präferieren. Bei den Elektroplatten sank mit zunehmendem Alter die Häufigkeit der Nutzung des wärmeren Ferkelnestes durch mehr als 50 Prozent der Ferkel eines Wurfes linear von 59,3% in der ersten Lebenswoche auf 31,2% in der vierten Lebenswoche. Die Elektroplatte mit der kühleren Starttemperatur wurde von der ersten Lebenswoche bis zum Absetzen der Ferkel durchgehend um ca. 10% des Tages von mehr als der Hälfte der Ferkel eines Wurfes zum Liegen genutzt. Die Ergebnisse bei den Warmwasserbetten zeigten in der zweiten Lebenswoche (56,9% des Tages; mehr als die Hälfte der Ferkel eines Wurfes liegend) im Vergleich zur ersten Lebenswoche (51,3% des Tages; mehr als die Hälfte des Wurfes liegend) eine Zunahme liegender Ferkel auf den Ferkelnestern mit der höheren Starttemperatur, mit darauf folgender Abnahme der Häufigkeit des Aufsuchens zum Liegen bis zur vierten Lebenswoche (32,1% des Tages). Das Nest mit der kühleren Starttemperatur wurde im Durchschnitt wie auch bei der Elektroplatte zu etwa 10% des Tages zum Liegen aufgesucht. Im Vergleich zwischen Elektroplatte und Warmwasserbett hinsichtlich der Liegedauer bei einer Raumtemperatur von 18°C ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Die Raumtemperatureinstellung von 26°C (mögliche Sommersituation) zeigte, daß der Wärmebedarf der Saugferkel hier nicht so groß ist wie bei einer Stalllufttemperatur von 18°C, denn die Ferkel lagen schon in der ersten Lebenswoche weniger als 34% des Tages auf den Ferkelnestern. Zwischen den Ferkelnestern mit einer Starttemperatur von 34/36°C versus 30 °C ergaben sich in der Häufigkeit der Nutzung zum Liegen keine signifikanten Unterschiede. Die Ferkelnester mit aufgelegtem Warmwasserbett wurden in den Untersuchungen bei einer Raumtemperatur von 26°C im Vergleich zu den Elektroplatten zu einem größeren Zeitanteil des Tages zum Liegen genutzt. Im Vergleich der Ferkelnestpositionen - Kopf- bzw. Gesäugenähe - zeichnete sich eine Präferenz für die Kopfnähe ab, wobei der Unterschied erst in der vierten Lebenswoche signifikant war. Die Ergebnisse zeigen, daß der Bedarf der Saugferkel, ein warmes Ferkelnest aufzusuchen, bei einer Raumtemperatur von 18°C höher ist als bei einer Stalllufttemperatur von 26 °C und daß mit zunehmendem Alter die Intensität der Nutzung der Ferkelnester beider Ferkelnestsysteme sinkt. Jedoch werden die Warmwasserbetten bei einer Raumtemperatur von 26°C etwas länger aufgesucht. Somit ergibt sich ein Vorteil für die weiche und verformbare Oberfläche des Wasserbettes. 2. Energieverbrauch Bei einer Raumtemperatur von 26 °C unterscheidet sich der Energieverbrauch der beiden Ferkelnesttypen Elektroplatte und Warmwasserbett um nur 0,5 Watt. Die mittlere Leistungsaufnahme bei einer Raumtemperatur von 18 °C ist bei den Warmwasserbetten im Durchschnitt um 9,3 Watt höher als bei den Elektroplatten, was auf die größere Oberfläche der Wasserbetten zurückzuführen ist, da die zu erwärmende Oberfläche der Warmwasserbetten 25% größer ist als die der Elektroplatten. Die stufenlos regelbaren Ferkelnestheizungen ermöglichen eine gute Anpassung an das Wärmebedürfnis der Ferkel und dienen dem sinnvollen Einsatz von Energie. 3. Lebendmasseentwicklung Von allen bis zum 28. Lebenstag in der Untersuchung erfaßten Ferkeln betrug das Absetzgewicht im Durchschnitt 8,08 kg. Die höchste mittlere Absetzmasse von 8,31 kg erreichten die Ferkel in der Abferkelbucht mit den Elektroplatten und einer Raumtemperatur von 26°C. Die Ferkel in der Bucht mit den Warmwasserbetten hatten im Mittel ein Absetzgewicht von 7,85 kg. Bei einer Raumtemperatur von 18°C waren die Ferkel aus der Bucht mit den Warmwasserbetten den Ferkeln in der Bucht mit den Elektroplatten mit mittleren Absetzgewichten von 8,18 kg überlegen, die hier nur 8,0 kg Absetzmasse erreichten. Beim Vergleich der Raumtemperatursituationen ergaben sich keine besonderen Unterschiede in der Absetzmasse. Im Vergleich zwischen der Elektroplatte und dem Warmwasserbett ließ sich ein nichtsignifikanter Unterschied von 140 g Gramm in der Absetzmasse zugunsten der Elektroplatte ermitteln. 4. Temperaturmessungen In den Klimakammern herrschten über den gesamten Untersuchungszeitraum, kontrolliert über Datenlogger und die diskontinuierlichen Messungen, optimale Temperatur- und Luftfeuchtebedingungen, welche für die Untersuchungen von essentieller Bedeutung waren. Die Warmwasserbetten wiesen - bedingt durch ihr Füllmedium Wasser plus Vlies - eine gleichmäßigere Oberflächentemperatur auf als die Elektroplatten. Über der Ferkelnestoberfläche ergaben sich zwischen den Elektroplatten und den Wasserbetten keine Temperaturunterschiede. Die Untersuchungen zeigen, daß es wichtig ist, die Ferkelnesttemperatur entsprechend der Umgebungstemperatur im Abferkelstall einzustellen und die Ferkelnesttemperatur gerade bei hohen Stalllufttemperaturen schneller zu senken. Bei schlecht klimatisierten Ställen, welche Stalllufttemperaturen von 18°C im Abferkelbereich zulassen, sollte die Starttemperatur der Ferkelnester bei 36°C liegen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Nesttemperatur dem Alter der Saugferkel anzupassen, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen, da die sonst zu warmen Nester nicht mehr als Liegebereich genutzt werden. Dies ist aber nur mit stufenlos regelbaren Ferkelnestsystemen möglich und dringend zu empfehlen. Das Wasserbett ist mit seiner weichen und verformbaren Oberfläche ein besonderer Liegekomfort für die Saugferkel und bietet gerade auch für schwächere Ferkel einen Vorteil. Es werden bestimmte Richtwerte zur Regelung der Oberflächentemperatur im Ferkelliegebereich in Abhängigkeit der Raumtemperaturen (18°C = typische Wintersituation; 26°C = charakteristische Sommersituation) und dem Alter (1. bis 4. Lebenswoche) empfohlen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
