In Rahmen dieser Arbeit wurde auf Grundlage der Funktionsprinzipien bestehender Bewegungsfixateure zur Behandlung der Mittelgliedbasisfraktur des menschlichen Langfingers ein dynamischer Bewegungsfixateur entwickelt. Bei der therapeutischen Anwendung des Fixateurs wird das Prinzip der Ligamentotaxis zur anatomischen Reposition und Remodelling der Gelenkfläche sowie die aktive Bewegungstherapie zur Wiederherstellung des physiologischen Bewegungsumfangs genutzt. Das Ziel der Entwicklung des Prototypen bestand darin, die Schwächen und damit verbundenen Komplikationen der bisherigen Systeme zu vermeiden und die technische Umsetzung zu optimieren. Die Bauteile des Bewegungsfixateurs wurden aus einem Polyethyketon Hochleistungskunstoff (PEEK) gefertigt. Dieser hochstabile Werkstoff wird in den letzten Jahren zunehmend in verschiedenen medizinischen Implantaten verwendet. Das Material ist biokompatibel, durchlässig für Röntgenstrahlen und sterilisierbar. Durch den technischen Aufbau des Fixateurs wurde eine hochstabile Fixierung durch 3 transossäre Kirschner Drähte erreicht. Das Distraktorgelenk lässt sich exakt auf die Rotationsachse des proximalen Interphalangealgelenk justieren und gewährleistet einen physiologischen Bewegungsumfang. Die Bewegung erfolgt im Vergleich zu bisherigen Systemen nur im Drehgelenk des Distraktors. Es findet im Gegensatz zu den anderen Systemen keine Rotation im Knochen oder im Weichteilgewebe statt. Die Distraktion wird über präzise auf die erforderliche Kraft einstellbare Zugfedern erreicht. Die Auswahl der Zugfedern wurde auf Grundlage von physikalischen Kraftprüfungen der Zugkraft getroffen. Über einen Positionskasten am proximalen Schenkel kann der Distraktor sowohl auf die erforderlichen Zugrichtungen für eine anatomischen Reposition als auch zur Ausrichtung des Rotationszentrums präzise eingestellt werden. In Funktionsprüfungen am anatomischen Modell, am Funktionsmodell und bei Kadaverversuchen zeigten sich sehr gute funktionelle Eigenschaften. In einer klinischen Studie wurde eine Mittegliedbasisfraktur eines Zeigefingers mit dem Bewegungsfixateur behandelt. Die operative Implantation und folgende funktionelle Therapie zeigte ein hervorragendes Behandlungsergebniss auf. Im Vergleich der radiologischen Untersuchungen unterschiedlicher Bewegungsfixateure zeigte sich eine sehr gute Beurteilbarkeit des gesamten proximalen Interphalangealgelenks. Es zeigten sich keine Überlagerungen durch den Fixateur wie bei anderen Systemen. Mit dem als LicTrac benannten System wurde ein effektives System zur Behandlung der Mittelgliedbasisfraktur entwickelt. Die technische Umsetzung zeigt erhebliche Vorteile bei der therapeutischen Anwendung im Vergleich zu den bestehenden Systemen. Der Bewegungsfixateur bietet beste Voraussetzungen um die Behandlungsergebnisse der Mittelgliedbasisfrakturen zu verbessern und die Komplikationen der bisherigen Behandlungssysteme zu vermeiden. Die Entwicklung des Prototypen ist abgeschlossen. Der Bewegungsfixateur LicTrac ist bereit auf Grundlage einer professionellen Fertigung klinisch eingesetzt und getestet zu werden. Durch eine professionelle Fertigung lassen sich bezüglich der Materialdicke und des Tragekomforts nochmals Verbesserungen erwarten.
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