Das Ziel der durchgeführten Untersuchungen bestand darin, den Einfluss einer reduzierten N-Düngung auf den Kornertrag und das Backverhalten von Weizen (Triticum aestivum L.) zu bewerten. Des Weiteren sollte die Vergleichbarkeit der Analyse-Methoden, Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und nasschemische Standard- Methoden, geklärt werden. Dazu wurden in den Jahren 2016 bis 2018 in den Versuchsstationen Gießen und Rauischholzhausen der Justus-Liebig-Universität Gießen zweifaktorielle Parzellenversuche als randomisierte Blockanlage durchgeführt. Als Prüffaktoren wurden zum einen die N-Düngung, die zehn unterschiedliche Varianten beinhaltete, untersucht. Diese unterschieden sich in der N-Menge (Sigma 180- 240 kg N/ha), N-Form und im -Applikationstermin. Zum anderen wurde der Prüffaktor Sorte mit jeweils zwei E- und A-Sorten untersucht. Alle Faktorkombinationen wurden in vierfacher Wiederholung angelegt, sodass jährlich ein Parzellenversuch mit 160 Teilstücken je Standort ausgewertet werden konnte. Dafür wurde ein lineares Modell mit fixen Faktoren (N-Düngung, Sorte und Jahr) verwendet. Als Prüfmerkmale wurden jedes Jahr Nmin-Gehalte im Frühjahr und nach der Ernte im Boden, morphologische Pflanzenmerkmale, Vegetationsindices, Kornerträge sowie indirekte (Proteingehalt, Feuchtklebergehalt, Glutenindex, GMP, Sedimentationswert und Fallzahl) und direkte Weizen-Qualitätsparameter (RMT- und OBT-Backversuche) bestimmt. Die erhobenen Daten wurden mittels RStudio statistisch ausgewertet.Anhand der dreijährigen Versuche konnte gezeigt werden, dass an beiden Standorten ein erhebliches N-Einsparpotential bezüglich des Kornertrages vorhanden war. Die Rest-N-Gehalte bewegten sich auf einem niedrigen Niveau (ca. 20 - 30 kg N/ha). Zudem ging die Stickstoffnutzungseffizienz mit zunehmendem N-Einsatz zurück. Jedoch konnten mit einem reduzierten N-Management die Qualitätsanforderungen der herkömmlichen Standardmethoden, wie Proteingehalt oder Backvolumen des RMT, nur selten erfüllt werden. Positiv hervorzuheben war, das mit dem optimierten Backtest (OBT), trotz des geringeren Stickstoffeinsatzes, überwiegend gute bis sehr gute Backvolumina erzielt werden konnten. Aufgrund der Verwendung des Knetzeitoptimums wurde beim OBT das Potential jeder Sorte vollständig ausgeschöpft. Die Teige waren weder unter- noch überknetet. Zwischen den Ergebnissen der Backtests und dem Glutenin-Makropolymer (GMP) waren keine engen Korrelationen vorhanden. Zwar wiesen die E-Sorten tendenziell einen höheren Gehalt an GMP als die A-Sorten auf, dennoch erzielte RGT Reform ebenfalls hohe Werte. Weiterhin konnte beobachtet werden, dass die N-Düngung keinen signifikanten Einfluss auf den GMP-Gehalt hatte. Daher ist davon auszugehen, dass der GMP- Gehalt im hohen Maße genetisch bestimmt wird. Darüber hinaus wurde angenommen, dass der Gliadin-Anteil im Vergleich zum Glutenin-Anteil mit zunehmender N-Düngung stärker anstieg, sodass die Teige weicher wurden. Durch die nachlassende Festigkeit wurden geringere Volumenausbeuten erzielt. Dies konnte auch mithilfe des Glutenindexes validiert werden, der mit zunehmender N-Düngung abfiel. Anhand dieser Resultate konnte belegt werden, dass ein gutes Backergebnis nicht nur von der Proteinmenge, sondern entscheidend von der Proteinzusammensetzung bestimmt wird. Daher wird prognostiziert, dass die Sortenwahl im Qualitätsweizen-Anbau in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird.Neben dem Klebereiweiß sollten die Viskositätseigenschaften der Stärke nicht vernachlässigt werden. Durch feuchte Bedingungen vor und während der Ernte kann die Backfähigkeit stark verschlechtert werden. Damit nimmt das Merkmal Fallzahlstabilität eine hohe Priorität ein, besonders bei zunehmenden Witterungsextremen. Der Methodenvergleich zwischen den nasschemischen Analysen und der NIRS ergab eine sehr gute Vergleichbarkeit für den Protein- und den Feuchtklebergehalt. Besonders für den Feuchtklebergehalt sind die hohen Korrelationen hervorzuheben, da die Standardmethode fehleranfällig ist. Für den Sedimentationswert war die Vergleichbarkeit des Sedimentationstests nach Zeleny und der NIRS-Analytik nicht gegeben.
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