Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, bei wachsenden männlichen Mastputen (Genotyp B.U.T. BIG 6) während einer fünfwöchigen Aufzucht die Auswirkungen unterschiedlicher Selen-Supplementierungen auf ausgewählte zootechnische und ernährungsphysiologische Parameter zu untersuchen und anhand der gewonnenen Daten eine Ableitung des Selenbedarfs durchzuführen. Die Tiere erhielten zwei Versuchsdiäten (Prestarter: 1.-2. Woche, Starter: 3.-5. Woche), bestehend aus praxisüblichen Einzelfutterkomponenten. Der Selengehalt der Diäten betrug < 0,010 mg Selen/kg Futter in der Mangelgruppe sowie 0,10; 0,15; 0,20; 0,25; 0,30; 0,35 und 0,40 mg Selen/kg Futter in den Zulagegruppen. Die Selenzulage erfolgte in Form von Na-Selenat. Der bedarfsgerechte Vitamin E-Gehalt der Diäten betrug 27,1 I.E. Vitamin E/kg Prestarter und 24,7 I.E. Vitamin E/kg Starter. Eine Schlachtung der Puten mit anschließender Analyse der Parameter erfolgte nach 2 Wochen (n=8 je Gruppe) und 5 Wochen (n=10 je Gruppe).
Es wurden folgende Parameter bestimmt:
1. Zootechnische und hämatologische Parameter
2. Die Selen-Statusparameter Se-Konzentration und Glutathionperoxidase-Aktivität in Leber und Plasma nach 14 und 35 Tagen sowie Se-Konzentrationen in Herz, Muskelmagen, Bein- und Brustmuskulatur nach 35 Tagen
3. Schädigungsparameter Aspartataminotransferase(AST)- und Creatinkinase(CK)-Aktivität im Plasma
4. Die Untereinheiten CK-M und CK-B im Plasma nach 35 Tagen
5. Oxidiertes und reduziertes Glutathion, sowie die Aktivität der Glutathion-S-Transferasen und der Glutathionreduktase in der Leber nach 35 Tagen
Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Es zeigte sich kein Einfluss einer unterschiedlichen Se-Supplementierung auf die hämatologischen Parameter Hämatokrit und Hämoglobin.
Ab der 3. Versuchswoche kam es zu einer fortschreitenden Depression der Zunahmen in der Se-Mangelgruppe, die auf eine reduzierte Futteraufnahme zurückgeführt werden konnte.
Die untersuchten Selenkonzentrationen in Plasma und Organen wurden in einem hohen Maße von der oralen Selenzufuhr beeinflusst.
Sowohl die plasmatische (pGPx) als auch die zelluläre Glutathion¬peroxidase(cGPx)-Aktivität wurde signifikant durch die Selen-Zufuhr beeinflusst. Durch eine Brokenline-Analyse konnten Selenzulagen von 0,28 mg Se/kg Futter (14 Tage) und 0,20 mg Se/kg Futter (35 Tage) zur Gewährleistung einer maximalen cGPx-Aktivität in der Leber sowie 0,21 mg Se/kg Futter (14 Tage) und 0,30 mg Se/kg Futter zur Gewährleistung einer maximalen pGPx-Aktivität im Plasma ermittelt werden.
Anhand der analysierten Schädigungsparameter Aspartataminotransferase und Creatinkinase konnte nach einer Versuchsdauer von 14 Tagen eine Muskeldystrophie ausgeschlossen werden. Nach 35 Tagen waren diese Parameter und auch die Untereinheiten der CK M und B in der Se-Mangelgruppe signifikant erhöht, so dass hier von einer Muskeldystrophie-Erkrankung ausgegangen werden kann.
Hinsichtlich des Glutathionmetabolismus konnte eine signifikante Verschiebung des Verhältnisses von oxidiertem Glutathion (GSSG) zu gesamtem reduziertem Glutathion (tGSH) zugunsten von tGSH sowohl in der Se-Mangelgruppe als auch noch in Gruppe II (0,10 mg Se/kg Futter) beobachtet werden. Ein Einfluss auf die Aktivität der Glutathionreduktase und die Glutathion-S-Transferasen bestand hingegen nicht.
Anhand der untersuchten Se-Statusparameter konnte unter den hier durchgeführten Versuchsbedingungen ein Se-Bedarf von 0,30 mg Se/kg Futter für die gesamte Aufzuchtszeit von rasch wachsenden Mastputen abgeleitet werden.
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