Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, fühlen sich durch Zwangsgedanken gedrängt stereotype Handlungen immer wieder und exzessiv durchzuführen. Die zugrunde liegenden neurobiologischen Prozesse dieser Zwangshandlung sind weitgehend unerforscht. Informationen darüber, welche neuronalen Korrelate mit der Beendigung der repetitiven Zwangshandlungen einhergehen, könnten zu einem tiefer greifenderen Verständnis der Aufrechterhaltung der Zwangsstörung beitragen. Theoretische Modelle postulieren, dass eine Funktion der Zwangshandlung in der Normalisierung vormals überaktvierter Strukturen eines fronto-striatalen Regelkreises liegt (Deckersbach, Dougherty, Rauch, 2006). Diese Funktion konnte in der vorliegenden Studie erstmals direkt nachgewiesen werden. Waschzwangpatienten und gesunde gematchte Kontrollprobanden wurden gebeten, sich während einer funktionellen Messung über präsentierte Videos in Szenen ihres individuellen Händewaschvorgangs hineinzuversetzen. Darüber hinaus wurde ein Teil der Probanden erneut nach einer kognitiven Verhaltenstherapie untersucht. Waschzwangpatienten wiesen eine reduzierte Aktivierung in fronto-striatalen Bereichen, vor allem den Basalganglien zum Ende des Rituals im Vergleich zum Anfang des Rituals auf. Darüber hinaus ergab sich eine reduzierte Aktivierung in der Amygdala zum Ende des Rituals im Vergleich zu einer Phase der Symptomprovokation. Diese reduzierte Aktvierung kann darauf hinweisen, dass Waschzwangpatienten das Zwangsritual als dysfunktionale, jedoch effektive Methode der Emotionsregulation nutzen. Ein stärkerer Abfall der Amygdalaaktivität vom Beginn zum Ende des Rituals sagte zudem eine höhere Symptomverbesserung nach der Therapie voraus. Darüber hinaus konnte eine verminderte Aktvierung im Nucleus Caudatus nach erfolgreicher Verhaltenstherapie nachgewiesen werden. Dies liefert Hinweise auf eine Normalisierung fronto-striataler Regelkreise auch durch eine Psychotherapie. Die Befunde liefern insgesamt erste direkte Evidenz bislang nur theoretisch hergeleiteter Annahmen über die neuronale Funktion der Zwangshandlung und deren Aufrechterhaltung.
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