Aufmerksamkeitsnetzwerke bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Einfluss von Belohnung : Eine fMRT-Studie
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) ist eine psychiatrische Erkrankung, die sich in Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität äußert. ADHS hat eine hohe Prävalenz in der Kindheit, doch sie besteht auch im Erwachsenenalter. Eine Ursache der ADHS-Symptomatik ist eine Dysfunktion im dopaminergen Belohnungssystem. Durch Belohnung wird Dopamin vermehrt freigesetzt. Eine weitere Theorie ist mangelnde Verhaltensinhibition, die sich in einer Dysfunktion der Exekutiven Funktionen widerspiegelt. Die beiden Theorien schließen sich gegenseitig nicht aus. An Hand von Studien konnte bestätigt werden, dass sich die Hirnaktivierung bei Patienten mit ADHS von denen gesunder Kontrollprobanden unterscheidet. In dieser Studie wurden die drei posnerischen Aufmerksamkeitsnetzwerke Alerting, Orienting und Executive Control bei erwachsenen Patienten mit ADHS und einer gesunden Kontrollgruppe untersucht. Hierfür wurde der ANT verwendet, der zur Testung dieser drei Aufmerksamkeitsnetzwerke von Fan et.al. entwickelt wurde. In einem weiteren Schritt wurde der Einfluss von Belohnung auf die Aufmerksamkeitsleistung und die Gehirnaktivierung während des ANTs beobachtet. Für beide Gruppen bestand ein Alerting-, Orienting-, und Executive-Effekt. Innerhalb der Verhaltensdaten zeigen die Patienten mit ADHS besonders im Orienting-Netzwerk Defizite, die durch Belohnung aufgehoben werden können. Auch in den Hirnaktivierungen bestanden in den Gruppen Unterschiede, wenn auch oft nur geringe, und nicht alle von uns erwarteten Hirnareale aktiviert wurde. Ein unerwartetes Ergebnis war im ANT die fehlende Aktivierungsdifferenz zwischen den Gruppen im Executive Control-Netzwerk. Durch die Belohnung kommt es zum Teil zu einer Erhöhung der Baseline-Aktivität und, insbesondere bei den Patienten mit ADHS, zu Aktivierung belohnungssensibler dopaminerger Strukturen. Trotz unterschiedlicher Hirnaktivierungen in den Gruppen waren kaum Unterschiede in den Verhaltensdaten zu sehen, so dass hier die Vermutung besteht, dass Patienten mit ADHS alternative, von uns hier nicht untersuchte, Hirnarale aktivieren und damit vergleichbare Leistungen wie gesunde Kontrollprobanden erzielen.
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