Die sehen ja alle gleich aus ! : Einflussfaktoren der unterschiedlichen Wiedererkennensleistung von Gesichtern der eigenen Ethnie und Gesichtern anderer Ethnien (Cross-Race Bias)
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Zusammenfassung
In der Forschung zur Wahrnehmung und zum Wiedererkennen menschlicher Gesichter ist der Cross-Race Bias Gegenstand vieler Studien und ein robustes Phänomen (Meissner &
Brigham, 2001). Der Cross-Race Bias beschreibt eine schlechtere Wiedererkennensleistung von Gesichtern, die nicht der eigenen Ethnie entstammen, sog. Fremd-Gruppen Gesichter, im Vergleich zu Gesichtern der eigenen ethnischen Gruppe. Trotz kleinerer gradueller Unterschiede im Ausmass des Cross-Race Bias (Sporer, 1992), tritt dieser Effekt bei den meisten in der Literatur untersuchten Gruppen auf (vgl. Meissner &
Brigham; Wright &
Sladden, 2003). Zumeist sind es allerdings 'Weiße' und 'Schwarze', die zu den untersuchten Gruppen gehören. Ziel dieser Dissertation war, das In-Group/Out-Group Modell von Sporer (2001a) zu überprüfen, das aufbauend auf früheren theoretischen Überlegungen zur Erklärung des Cross-Race Bias, ein Modell darstellt, dass die bisherigen Studien integriert und ein theoretisches Grundgerüst für die Erklärung dieses Phänomens liefert. Die zentrale Annahme des Modells ist, dass ausgehend von der Wahrnehmung einer Person als Mitglied der Eigen-Gruppe bzw. der Fremd-Gruppe, unterschiedliche Verarbeitungswege angestoßen werden, die zu einer schlechteren bzw. besseren Wiedererkennensleistung führen. Eigen-Gruppen Gesichter sollten holistisch, Fremd-Gruppen merkmalsbasiert verarbeitet werden.
In Experiment I (N = 42) wurde mittels Objekten (Geldscheinen der DM, des Euro und des Britischen Pfunds) die Annahme der unterschiedlichen Verarbeitung und des Wiedererkennens von Gesichtern auf nicht-menschliche Stimuli ausgeweitet. Die Ergebnisse sprechen für eine Generalisierbarkeit des Modells auf Objekte, sofern eine Kategorisierung der Objekte, als der Eigen-Gruppe bzw. der Fremd-Gruppe zugehörig, möglich ist.
In Experiment II (N = 128) wurde die Wiedererkennensleistung bei Gesichtern untersucht, denen äußere Merkmale (Haare, Ohren) entfernt wurden, die ein Wiedererkennen erleichtern. Teilnehmer waren je zur Hälfte türkische und deutsche Personen. Durch die Entfernung äußerer Gesichtsmerkmale sollte eine merkmalsbasierte Enkodierung der Gesichter erschwert werden und zu schlechteren Leistungen bei den Fremd-Gruppen Gesichtern führen. Zusätzlich wurde das Zeitintervall zwischen Lern- und Testphase variiert. Die schlechtere Leistung bei Gesichtern, denen äußere Merkmale entfernt wurden, wurde auch gefunden, allerdings für Eigen-Gruppen und Fremd-Gruppen Gesichter bei einem längeren Zeitintervall zwischen Lern-und Testphase gleichermaßen. Bei türkischen und deutschenTeilnehmern wurde bei maskierten Gesichtern ein Cross-Race Bias bei sofortiger Testung gefunden, was die Annahme einer merkmalsbasierten Enkodierung von Fremd-Gruppen Gesichtern stützt.
In Experiment III (N = 64) wurde ebenfalls der Cross-Race Bias untersucht, indem zwei Berufsgruppen (BGS-Beamte und Studierende), die sich hinsichtlich ihrer Kontakthäufigkeit mit anderen Ethnien unterscheiden sollten, getestet wurden. Die beiden Gruppen unterschieden sich in der Gesamtleistung nicht voneinander, jedoch waren die BGS-Beamten bei afro-amerikanischen Gesichtern besser als die Studierenden, während die Studierenden bei deutschen Gesichtern bessere Leistungen zeigten als die BGS-Beamten. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass durch eine höhere Kontakthäufigkeit der Cross-Race Bias verringert werden kann. Die Gesichter der Eigen-Gruppe wurden nach einem Wechsel der Gesichtsansicht (Frontalansicht vs. Halbprofil) besser identifiziert als die Gesichter der Fremd-Gruppen. Das Ergebnis wird als Beleg für die Annahme der merkmalsbasierten Enkodierung von Fremd-Gruppen Gesichtern gewertet, da diese Art der Enkodierung bei einem Ansichtswechsel des Stimulus zu einer Verschlechterung der Leistung führt.
In research on the perception and recognition of human faces, theOwn-Race Bias has been the subject of numerous studies and is known asa robust phenomenon (Meissner & Brigham, 2001). It depicts the worserecognition performance with faces from persons of other ethnic groups(out-group faces) compared with faces of the own ethnic group (in-groupfaces). Despite some smaller gradual differences in the extent of theOwn-Race Bias (Sporer, 1992), this effect occurs with most ethnicgroups (see Meissner & Brigham, 2001), whereas Blacks and Whites arethe ethnic groups whose recognition performance has been tested in moststudies. It was the aim of this dissertation, to test Sporer's (2001)In-Group/Out-Group Model. This model is based on earlier theoreticalexplanations of the Own-Race Bias, and integrates these theories tobuild a basic structure for a more complete explanation of this effect. A central assumption of the model is the emergence of different kindsof encoding strategies depending on the perception of a person as beinga member of the own ethnic group or another ethnic group, respectively. The model predicts that once a face is perceived as an in-group faceit will be processed holistically, whereas out-group faces will beprocessed feature-based, leading to worse recognition performance withthese faces.In the first experiment, the assumption of different encodingstrategies for in-group and out-group faces was extended to theencoding of none-facial stimuli. For this purpose, banknotes of threedifferent currencies (German Mark, DM; Eur o , ; British Pound £)were presented to N = 42 German participants in three different tasks(Delayed-Matching, Alternative-Forced-Choice, Recognition test). Theresults militate in favour of a generalisability of theIn-Group/Out-Group Model, in case a categorisation of the objects asbelonging to an in- or an out-group, is possible.Experiment 2 investigated the recognition performance with faces whoseouter features (eg. hair, ears) were deleted, compared with 'normal'faces. Participants were n = 64 Turks and n = 64 Germans. By thedeletion of outer features, feature-based encoding was supposed to bemore difficult, thus leading to worse recognition performance without-group faces compared to in-group faces. Additionally, the intervalbetween encoding and test varied between immediate and three weeks. Test stimuli were faces from African-Americans, Caucasian-Americans,Turks and Germans. A worse recognition performance for faces withoutouter features was found, independently of ethnic membership after thedelay of three weeks. When the recognition performance was testedimmediately, a Own Race effect was found for faces without outerfeatures, indicating feature-based encoding of out-group faces, thatdisappears after longer intervals between encoding and recognition.Experiment 3 investigated the Own-Race Bias by testing two Germangroups who were supposed to have different amounts of contact withother ethnic groups. The groups were n = 32 police officers working atthe international airport in Frankfurt/Main (high contact) and n = 32students at the University of Giessen (low contact). Test stimuli werefaces from African-Americans, Hispanics, Turks and Germans. Bothgroups showed equal recognition performance when analysing overallperformance, however, police officers performed better with black facesthan did students, whereas students showed better performance withGerman faces than police officers. In a second experiment(Delayed-Matching task) with the same participants, the view of thetest face (frontal vs. half-profile) was varied. While performance inthe frontal-view condition was almost perfect for all of the fourethnic groups, the performance decreased with increasing socialdistance from the participants (i.e. performance was worse for theblack faces, followed by the Hispanic, Turkish and German faces) in thehalf-profile condition. These results are interpreted as evidence foran influence of contact on the Own-Race Bias and as evidence forfeature-based encoding of out-group faces.