Auswirkungen eines verringerten Haushaltsbudgets auf den Lebensmittelkonsum : eine empirische Untersuchung zu den finanziell bedingten Veränderungen am Lebensmitteleinkauf und beim Ernährungsverhalten
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Zusammenfassung
Problemstellung und ZielsetzungIn Deutschland lässt sich beim Ernährungs- und Gesundheitsverhalten ein sozialer Gradient feststellen. Personen mit niedrigem Einkommen weisen dabei durchschnittlich ein unausgewogeneres Essverhalten auf als Personen mit höherem Einkommen. Ziel der Arbeit ist es, die Auswirkungen einer Budgetverringerung auf den Lebensmittelkonsum und das Essverhalten dynamisch zu betrachten und daraus handhabbare Interventionsstrategien abzuleiten.Methodische VorgehensweiseDas sequentielle Studiendesign beinhaltet im ersten Schritt die Auswertung vorliegender Daten der NVS II. Der Fokus lag dabei auf drei hypothetischen Fragen zu möglichen Änderungen am Lebensmitteleinkauf im Falle einer Budgetverringerung, die aus dem Fragebogen zum Ernährungsverhalten der NVS II stammen. Um tiefergehende Erkenntnisse zu Unterschieden nach den Haushaltsmerkmalen Einkommen, Haushaltsgröße, Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke sowie Ausgaben für den Außer-Haus-Verzehr zu erlangen, wurde eine Clusteranalyse durchgeführt und sechs verschiedene Haushaltstypen identifiziert. Um tatsächlich durchgeführte Veränderungen sowie Gründe und Auswirkungen dieser explorieren zu können, wurden auf Basis der quantitativen Erkenntnisse im zweiten Schritt qualitative Interviews mit Personen geführt, die aus unterschiedlichen Gründen eine Budgetverringerung erfahren haben. ErgebnisseDie Ergebnisse der quantitativen Teiluntersuchung zeigen, dass sich fast alle Personen im Falle einer Budgetverringerung in ihrem Lebensmitteleinkauf einschränken würden. Es zeigt sich die Tendenz, dass Cluster mit niedrigerem Einkommen stärkere Einschränkungen vornehmen würden. Die Ergebnisse der Interviews belegen, dass bedingt durch das geringere Budget Betroffene verstärkt auf den Preis von Lebensmitteln achten (Sonderangebote, Grundpreisangaben und Einkauf im Discounter). Aufgrund des subjektiv als hoch wahrgenommenen Preises bei Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch wird verzichtet oder der Einkauf modifiziert. Die meisten Befragten beurteilen die Veränderungen am Lebensmitteleinkauf negativ. Die reduzierte Einkaufsmenge wird durch einen achtsameren Umgang im Haushalt ausgeglichen. So werden z.B. durch eine durchdachte Speisenplanung weniger essbare Lebensmittel weggeworfen bzw. verschwendet. Insgesamt führen die Veränderungen aufgrund des geringeren Budgets zu einer eingeschränkten Vielfalt der zubereiteten Speisen. Besonders betont werden die Einschränkungen im Außer-Haus-Verzehr. Insgesamt erscheint den Befragten die Umsetzung einer gesunden Ernährung erschwert, denn sie erfordert einen höheren Aufwand und mehr Disziplin.
Background&objectivesIn Germany, a social gradient in nutrition and health behaviour can be observed. Persons with low income show a more unbalanced eating behaviour than those with higher income. Therefore, the aim of this study is to analyse the effects of budget restrictions on food consumption and eating behaviour in a dynamic view and to deduct manageable intervention strategies from the results. MethodsThe sequential study design started with an analysis of data available through the National Nutrition Survey II (NVS II). This was done focusing on three hypothetical questions concerning potential changes in food purchasing in the case of a budget restriction, which were part of the NVS II questionnaire regarding nutrition behaviour. In order to gain deeper insight concerning differences between the household characteristics income , household size , food and beverage expenses as well as expenses for eating out , a cluster analysis was conducted which resulted in identifying six different household types. In order to explore changes and the underlying determinants, qualitative interviews with people that had been subjected to budget restrictions for various reasons were conducted as a second step. ResultsThe results the quantitative secondary analysis show, that almost all persons would restrict their food purchasing in the case of a budget cut. There is a tendency visible, that lower income clusters would make more severe restrictions. The results of the secondary analysis only indicate which changes would theoretically be done. The question remains open, which changes would actually be done, as well as the question of the motives for potential changes and their effects on the food choice and thereby the nutrition behaviour. Due to the smaller budget, the persons concerned pay greater attention to the price of foods (bargain offers, base prices and shopping in discount supermarkets). Because of the subjectively perceived higher price of fruits, vegetables, fish and meat, the shopping of these items is being restricted. Most of the interviewed persons evaluate the changes to the food shopping negatively. The reduced amount of shopping is compensated by more cautious dealings in the household. A more elaborate strategy of meal planning, for example, leads to less discarding of edible foods respectively their wasting. Altogether, these changes lead to a more restricted selection of prepared meals. The interviewees especially stress the restraints with regard to eating out. Overall, the interviewed persons regard the implementation of a healthy nutrition as aggravated, because this means more effort and discipline.