Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die häufig erst aufgrund von Frakturen ohne adäquates Trauma diagnostiziert wird.Aufgrund der epidemiologischen Entwicklung, ist mit einer deutlichen Zunahme der Inzidenz zu rechnen. Eine zufriedenstellende Stabilisierung von osteoporoseassoziierten Frakturen ist mit derzeit verwendeten Osteosyntheseverfahren nichtimmer möglich.
Ziel dieser Studie war die Entwicklung eines Tiermodells für Osteoporose, welches in Anatomie und Knochenstoffwechsel dem Menschenähnlich ist. Am Schaf wurde Osteoporose mit einer Behandlung aus Ovarektomie, Kalzium- und Vitamin D-reduzierten Diät undverschiedenene Steroideapplikationensformen induziert. Über eine Induktionszeit von 7 Monaten sollte der Effekt verschiedenerSteroidedosierungen und Steroidedarreichungsformen auf die Ausprägung der Osteoporose untersucht werden. Es wurden zwei Gruppen gebildet. Gruppe 1 (n=16) diente als unbehandelte Kontrollgruppe. Gruppe 2 (n=16) wurde ovarektomiert und miteiner Kalzium- und Vitamin D-reduzierten Diät gefüttert und erhielt über 14 Wochen 3 x 40 mg Methylprednisolon (MP)-Lösung pro Wochei.m. appliziert. Über weitere 8 Wochen erhielt diese Gruppe 5 x 40 mg (MP)-Lösung pro Woche. Die letzten sechs Wochen wurden 5 x 40mg (MP)-Kristallsuspension verabreicht.
Mittels peripherer quantitativer Computertomographie (pQCT) wurden die Knochendichteverläufe über 7 Monate an distaler Tibia, distalemRadius und Calcaneus beidseits dokumentiert.
Es wurden Biopsien aus den Beckenkämmen, aus Wirbelkörpern und Femurköpfen entnommen. Von diesen Proben wurden verschiedeneKnochenstrukturparameter (BV/TV in %, BS/BV in 1/mm, Tb.N in 1/mm, Tb.Th in mm, Tb.Sp in mm und DA) imMikro-Computertomographen (mittelhohe Auflösung, die Rekonstruktion der Bilder erfolgte mit 512 x 512 Pixel) ermittelt.
Im Verlauf der Studie wurden verschiedene Knochenstoffwechselparameter (ALP, PICP, PYD, DPD) bestimmt, um Veränderungen desKnochenstoffwechsels im Rahmen der Osteoporoseinduktion darzustellen.
In dieser tierexperimentellen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass im Schafsmodell mit einer Dreifachbehandlung aus Ovarektomie,Kalzium- und Vitamin D-reduzierter Diät und Steroideapplikation die Induktion von Osteoporose möglich ist. Die Abnahme im spongiösenKnochen betrug im Mittel 37 %, im kortikalen Knochen 2 %.
Es konnte aufgezeigt werden, dass Methylprednisolon-Suspension im Bezug auf die Osteoporoseinduktion im Vergleich zurMethylprednisolon-Lösung eine höhere Wirksamkeit aufwies.
Die Veränderungen der Knochenstrukturparameter im Rahmen der Osteoporoseinduktion beim Schaf sind mit der Situation beimMenschen vergleichbar.
Die Knochenstoffwechselparameter wiesen in dieser Untersuchung nur eine geringe Aussagekraft in Bezug auf die Dokumentation vonOsteoporose auf.
Mit Abnahme der Knochendichte kam es zu einer Reduktion der mechanischen Eigenschaften des Knochens.
Das Schaf scheint somit ein geeignetes Tiermodell zu sein, um an einer grösseren Anzahl vergleichbarer Individuen Untersuchungen undEntwicklungen neuer Osteosyntheseverfahren bei Osteoporose durchführen zu können. In weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen müssen histologische Aufarbeitungen und Auswertungen die Vergleichbarkeit desOsteoporosetyps Schaf/ Mensch belegen.
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