Perioperative Schmerztherapie der Katze mit Carprofen nach Anästhesie mit Tiletamin/Zolazepam, Alphaxolon/Alphadolon und Isofluran
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Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Studie war es folgende Fragestellung zur Schmerztherapie bei der Katze nach chirurgischen Eingriffen zu beantworten. Zunächst sollte die Eignung von Carprofen zur perioperativen Analgesie bei der Katze geklärt werden. Des weiteren sollte der Zeitraum definiert werden, in dem die Schmerztherapie nach chirurgischen Eingriffen bei der Katze routinemäßig notwendig ist. Dieser Zeitraum wurde mit Hilfe der visuellen Analog-Skala (VAS) vor und nach Manipulation, der numerischen Schmerz-Skala (NRS) und der mehrdimensionalen Schmerz-Skala (MDS) bestimmt. Der Überprüfung der analgetischen Wirkung des nicht-steroidalen Antiphlogistikums Carprofen (RimadylÒ) bei der Katze wurde ebenfalls nachgegangen. Der Untersuchungszeitraum umfasste den fünftägigen postoperativen Zeitraum nach orthopädischen oder weichteilchirurgischen Eingriffen. Besonders berücksichtigt wurden eventuelle Nebenwirkungen, die mit der gewählten Anästhesie Tiletamin/Zolazepam i.m., Alphaxolon/Alphadolon i.v. und Isofluran per Inhalation in Verbindung gebracht werden konnten. Die Untersuchungen wurden an Katzen durchgeführt, die sich einem orthopädischen oder weichteilchirurgischen Eingriff unterziehen mussten. Vor der Operation wurde von jedem Patienten ein Blutbild angefertigt und die erste Schmerz-Bewertung durchgeführt. Wurden auf diesem Weg Nieren- oder Leberwertveränderungen bemerkt, wurden die Katzen von der Studie ausgeschlossen. Die Einteilung in 4 Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip (C1, C3, C5 und OA). Die Patienten der Gruppen C1, C3 und C5 erhielten am Operationstag 30 Minuten vor Operationsende 4.0 mg/kg KM Carprofen i.v.. Die Patienten der Gruppe C1 erhielten in den folgenden Tagen alle 24 Stunden ein Placebo. Die Patienten der Gruppe C3 erhielten 24 und 48 Stunden nach Extubation 4.0 mg/kg KM Carprofen s.c. und in den folgenden 2 Tagen ein Placebo. Die Patienten der Gruppe C5 erhielten 24, 48, 72, 96 und 112 Stunden nach Extubation 4.0 mg/kg KM Carprofen s.c.. Die Patienten der vierten Gruppe OA (ohne Analgesie) erhielten zunächst postopertiv kein Analgetikum, wobei aus ethischen, rechtlichen und bereits vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen Katzen bei einem VAS-Wert > 30 und NRS > 3 sofort Rimadyl erhielten, dann aber von der Studie ausgeschlossen wurden. Aus diesem Grund erhielten 19 Patienten der Gruppe OA, die 24 Patienten umfasste, innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation ein Analgetikum. Eine statistische Auswertung dieser Gruppe war so nicht mehr möglich. Die Tiere erhielten zur Einleitung der Anästhesie 10.0 mg/kg KM Tiletamin/Zolazepam i.m.. Nachdem der venöse Zugang gelegt worden war, wurde die Narkose mit Alphaxolon/Alphadolon 2.0-6.0 mg/kg KM i.v. nach Bedarf aufrecht und im folgenden nach Intubation mit Isofluran erhalten. Die Schmerz-Beurteilung fand vor der OP, bei Extubation, 2, 4, 6, 8,16, 24, 32, 40, 48, 56, 64, 72, 80, 88, 96, 104 und 112 Stunden nach der Extubation statt. Die weiteren Blutproben wurden 48 und 96 Stunden nach der Extubation entnommen. Die Schmerz-Bewertung umfasste VAS, NRS und MDS. Die MDS beurteilte Lautäußerung des Patienten, Verhalten/motorische Unruhe, Körperhaltung, Schmerzreaktion bei Palpation der Wunde, Lahmheit, Verspannung der Muskulatur, Mimik, Mutilation, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Urin- und Kotabsatz. Herzfrequenz, Atemfrequenz und Körperinnentemperatur wurden gemessen. Als Laborparameter wurden die Konzentrationen von ALT, ALB, AP, Bilirubin, Chlorid, Cholesterin, Gesamteiweiß, Globulin, Glukose, GLDH, g-GT, Harnstoff, Kalium, Kalzium, Kreatinin, Natrium, Phosphat (anorg.) und Triglyzeride gemessen. Ein rotes Blutbild und Differentialblutbild wurden ebenso wie die venöse Blutgasanalyse angefertigt. Veränderungen von Herzfrequenz, Atemfrequenz, Körperinnentemperatur, Aufregung, Allgemeinbefinden, spontane Lautäußerung des Patienten oder nach Manipulation, Verhalten/motorische Unruhe, Körperhaltung, Mimik, Mutilation, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Urin- und Kotabsatz stellten keine sehr sensiblen Kriterien dar, um das Ausmaß vorhandener Schmerzen sicher beurteilen zu können. Hoch signifikante Unterschiede waren bei den Parametern Lahmheit, Verspannung der Muskulatur, Aktivität und Schmerzreaktion bei Palpation der betroffenen Körperregion zu beobachten. Diese Parameter wurden durch Aufregung der Katze nur geringfügig beeinflusst. Die VAS wurde vor und nach Manipulation des Patienten beurteilt, was sie mehrdimensional werden ließ. VAS und NRS zeigten zueinander einen nahezu parallelen Verlauf, während zwischen den Gruppen hoch-signifikante Unterschiede notiert werden konnten. Anhand dieser Ergebnisse konnte bewiesen werden, dass diese Schmerz-Skalen bei der der Katze einsetzbar sind, obwohl die Schmerzbeurteiling bei der Katze sehr schwierig ist. Es konnte gezeigt werden, dass die Algesimetrie ein individuelles Schmerztherapie-Regime ermöglicht. Insgesamt zeichnete sich Carprofen durch gute klinische Verträglichkeit und Analgesie aus und ist zur postoperativen Schmerztherapie bei der Katze geeignet. Auch im fünftägigen Beobachtungszeitraum waren keine Nebenwirkungen zu beobachten. Da die Katzen, die nur am Operationstag Carprofen erhielten in den 3 Tagen nach der Operation eine stärkere Schmerzreaktion zeigten, als die Tiere, die noch unter dem Analgetikum standen, am vierten Tag aber genauso wenig schmerzhaft erschienen, wie die Tiere mit Carprofen scheint eine Analgesie bis 72 Stunden nach chirurgischen Eingriffen ausreichend. Nach diesem Zeitraum muss die regelmäßige Algesimetrie über die Notwendigkeit einer weiterzuführenden Analgesie bei jedem Patienten individuell entscheiden.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
