Untersuchungen zum Einfluss einer frühzeitigen Kontaktmöglichkeit zwischen Ferkelwürfen auf Sozialverhalten, Gesundheit und Leistung

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Das Absetzen von Saugferkeln gehört zur risikoreichsten Phase der Ferkelerzeugung. Die Ferkel werden beim Absetzen und Zusammenstallen von mehreren Würfen in einer Aufzuchtbucht plötzlich einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt, die ihr Anpassungsvermögen überfordern und zu geschwächter Kondition, verminderter Futteraufnahme, Durchfällen, Wachstumsverzögerungen sowie Aggressionen gegenüber unbekannten Tieren mit daraus resultierenden Hautverletzungen führen können. Bei den in der Praxis dominierenden Einzelabferkelungssystemen mit Kastenständen (KS) oder Bewegungsbuchten (BB) haben Ferkel bis zum Absetzen keinen Kontakt zu wurffremden Tieren. In der vorgelegten Dissertation wurde daher untersucht, ob das gegenseitige Kennenlernen wurffremder Artgenossen bereits in der Säugeperiode durch den Einbau einer Ferkeltür zwischen benachbarten Buchten (KSmS bzw. BBmS) realisierbar ist, inwieweit ein solcher Ferkelschlupf aktiv genutzt wird, und welche Auswirkungen diese Kontaktmöglichkeit auf Verhalten und Leistung der Ferkel bzw. Läufer hat. Als Kontrollen dienten dabei einerseits die Würfe aus den Einzelabferkelungen ohne Ferkeltür (KS bzw. BB) und andererseits die Ferkel aus einem Gruppenabferkelungssystem (GS) als Positivkontrollen. Innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren wurden 230 Würfe von 113 Sauen mit den Wurfnummern 1 bis 9 untersucht, verteilt auf 32 kontinuierliche Abferkeltermine in 3wöchigen Intervallen, mit insgesamt 2384 geborenen und 1935 abgesetzten Ferkeln (DL x DL bzw. DL x Pi). Die 113 Sauen rotierten durch die Abferkelsysteme KS, BB bzw. GS. Bei den Kontaktbuchten (KSmS bzw. BBmS) erfolgte die Öffnung der Ferkeltür zwischen zwei benachbarte Buchten 10 Tage post partum. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch allen 8 Würfen des GS freier Zugang zum gesamten Stallbereich gewährt. Für die Aufzuchtphase über eine Dauer von 5 Wochen in einem Offenfrontstall ergaben sich Versuchsgruppen zu je durchschnittlich 20 Ferkeln pro Koomansbucht. Die Frequentierung der Ferkeltür während der Säugezeit wurde mittels eines eigens entwickelten Transponder-Antennensystems überprüft. Das Verhalten der Ferkel wurde an beiden Tagen nach dem Umstallen durch Direktbeobachtung über jeweils 4 Stunden erfasst. Das Integument der Tiere wurde zu 4 verschiedenen Zeitpunkten auf Verletzungen bonitiert, das Gewicht der Ferkel wurde bis zur 9. Lebenswoche individuell ermittelt. Die Daten wurden mit gemischt linearen Modellen bzw. dem Kruskal-Wallis- oder dem Mann-Whitney-U-Test unter Verwendung der Software SAS 9.1.3 analysiert.Eine Ferkelöffnung ließ sich technisch einfach in die bestehenden Systeme integrieren und wurde von den Ferkeln sehr häufig genutzt. Dabei frequentierten Ferkel aus dem System KSmS die Tür insgesamt signifikant häufiger als Tiere aus dem System BBmS (F1,41 = 5,75, p < 0,05). Ein Einfluss dieser Kontaktmöglichkeit auf das Verlustgeschehen (H = 1,81, FG 2, ns) während der Säugezeit konnte ebenso ausgeschlossen werden wie eine Beeinträchtigung der Lebendmassezunahme der Saugferkel bis zum Absetzen (F4,216 = 1,21, ns). Unmittelbar vor dem Umstallen war die Anzahl an Hautverletzungen bei den Tieren aus dem System KS signifikant niedriger als bei allen anderen Tieren, Ferkel aus den Systemen BBmS sowie GS wiesen die meisten Verletzungen auf (H = 33,86, FG 4, p < 0,0001). Dabei handelte es sich jedoch ausschließlich um geringgradige Hautschäden. Beim Umstallen in die Aufzuchtbuchten konnten zwischen Ferkeln aus den jeweiligen Buchten mit Kontaktmöglichkeit (KSmS, BBmS und GS) kaum aggressive Interaktionen beobachtet werden, während diese bei Ferkeln ohne Kontaktmöglichkeit (KS, BB) signifikant häufiger auftraten. Sowohl für die Verhaltensweise Beißen (H = 53,36, FG 4, p < 0,0001) als auch das Verhaltenselement Kämpfen (H = 67,27, FG 4, p < 0,0001) waren diese Reduzierungen hoch signifikant. In der Folge wurde eine geringere Latenz bis zur ersten Ruhephase aller Ferkel bei den Positiv- im Vergleich zu der der Negativkontrollen festgestellt (F4,93 = 25,76, p < 0,0001). 4 Tage nach dem Umstallen zeigten sich bei den Negativkontrollen weiterhin signifikant häufigere und gleichzeitig schwerere Hautverletzungen im Vergleich zu Tieren aus den Kontaktbuchten (H = 75,25, FG 4, p < 0,0001). Am Ende der 9. Lebenswoche wiesen Ferkel aus den Kontaktbuchten im Vergleich zu den Tieren aus den Systemen KS und BB eine um rund 1 kg höhere Lebendmassezunahme (F4,204 = 7,01, p < 0,0001) und insgesamt ein höheres Lebendgewicht (F4,207 = 5,34, p < 0,001) auf. Dabei waren GS-Ferkel im Mittel am schwersten, KS-Ferkel dagegen am leichtesten.Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Öffnung einer Ferkeltür zwischen benachbarten Einzelabferkelbuchten 10 Tage p. p. von den Ferkeln sofort und während der gesamten Säugeperiode genutzt wird. Dabei verlaufen diese ersten Begegnungen ohne Rangauseinandersetzungen und Hautverletzungen. Der positive Effekt dieses frühen Kontaktes manifestiert sich nach dem Absetzen und Umstallen in einer Verminderung der Aggressionen zwischen den Ferkeln, in weniger häufigen und geringfügigeren Verletzungen infolge von Rangauseinandersetzungen sowie einer signifikant besseren Lebendmasseentwicklung. Diese einfach zu realisierende Kontaktmöglichkeit ist daher geeignet, die Tiergerechtheit von konventionellen Einzelabferkelungssystemen zu verbessern.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2009

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