Bewegungsaktivität und Stressbelastung bei Pferden in Auslaufhaltungssystemen mit verschiedenen Bewegungsangeboten

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Pferdehaltungssysteme mit angrenzenden Ausläufen gelten als eine sehr tiergerechte Haltungsform, da sie den Tieren eine gewisse Bewegungsmöglichkeit bieten. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, zu erfassen, ob der angrenzende Auslauf selbst einen ausreichenden Anreiz zur Bewegung darstellt und wie sich verschiedene Bewegungs- und Platzangebote auf die Bewegungsaktivität von Pferden in einer Gruppen-Auslaufhaltung auswirken. Zudem wurde ermittelt, welche Auswirkung die Bewegungsform bzw. intensität auf das Wohlbefinden der Tiere hat. Der Großteil der in Deutschland gehaltenen Pferde verbringt die meiste Zeit des Tages im Stall, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass Pferde unter natürlichen Haltungsbedingungen 12 bis 16 Stunden des Tages in Bewegung verbringen. Der Optimierung der Stallhaltungssysteme gilt daher ein besonderes Interesse. Zu diesem Zweck wurden von September 2004 bis Oktober 2005 Versuche mit 24 Warmblutstuten im Alter von 1½ bis 3½ Jahren in Einzel- und Gruppen-Auslaufhaltungssystemen durchgeführt. Jeweils sechs Pferde bildeten eine Versuchsgruppe. In jeder Gruppe fanden fünf Varianten von einer ca. dreiwöchigen Dauer statt. Die Gruppenhaltung wurde dabei durch drei unterschiedliche Zusatzbewegungsangebote (2 Std. Weide / Tag, 2 Std. unbegrünte Koppel / Tag, 1 Std. Freilauf-Führanlage / Tag) ergänzt. In der Einzel-Auslaufhaltung (Box mit 45 m²-großem angrenzenden Auslauf) und in einer Versuchsvariante der Gruppenhaltung bekamen die Pferde hingegen keine zusätzliche Bewegung außerhalb des Stallhaltungssystems angeboten. Das Gruppenhaltungssystem selbst war durch die räumliche Trennung der Funktionsbereiche (Liegen, Fressen, Trinken, Bewegen) gekennzeichnet und der angrenzende Auslauf war 270 m² groß. In einer zusätzlichen Versuchsphase fand in der Gruppenhaltung eine Erweiterung des permanent zugänglichen Auslaufs auf insg. 540 m² statt. Die Bewegungsaktivität wurde mit Pedometern erfasst, die an jeweils einem Hinterbein der Pferde befestigt wurden und ergänzend fand eine Analyse von Videoaufzeichnungen statt. Zur Beurteilung der Stressbelastung fanden Messungen der Herzfrequenzvariabilität (Parameter HF und SD2) und der fäkalen Cortisolmetabolitenkonzentration statt. Die Auswertung des Bewegungsverhaltens ergab, dass eine zusätzliche zweistündige freie Bewegung der Pferdegruppe auf einer Weide zu einer deutlichen Steigerung der durchschnittlichen Bewegungsaktivität (149,6 Min. / Tag) führt, ebenso wie eine einstündige Bewegung in einer Führanlage (173,0 Min. / Tag). Eine unbegrünte Koppel regte die Pferde der Gruppenhaltung hingegen nicht zu vermehrter Bewegung an (131,6 Min. / Tag), sondern bewirkte z. T. sogar eine Abnahme der Bewegungsaktivität. In der Gruppen-Auslaufhaltung ohne zusätzliches Bewegungsangebot war die Bewegungsaktivität ebenfalls gering (125,8 Min / Tag) und während der Einzel-Auslaufhaltung ohne Zusatzbewegung zeigten die Pferde die geringste Bewegungsaktivität (102,3 Min. / Tag). Bei der alleinigen Analyse der Bewegungszeit im Stallhaltungssystem war kein signifikanter Einfluss der zusätzlichen Bewegung außerhalb des Stallsystems auf die übrige Fortbewegung feststellbar. Auch eine Vergrößerung des an den Stall angrenzenden Auslaufs im Gruppenhaltungssystem hatte keinen steigernden Einfluss auf das Bewegungsverhalten der Pferde. Die Stressbelastung der Pferde war in den Varianten der Gruppenhaltung mit zweistündigem Weidegang (SD2: 82,9 ms; Cortisolmetaboliten: 29,0 nmol / kg Kot) sowie der einstündigen Bewegung in einer Freilauf-Führanlage (SD2: 99,2 ms; Cortisolmetaboliten: 27,7 nmol / kg Kot) am geringsten. Die Untersuchungen zeigten eine Stresszunahme in der Gruppenhaltung mit zweistündigem Auslauf auf einer unbegrünten Koppel ohne Futterangebot (SD2: 101,3 ms; Cortisolmetaboliten: 39,6 nmol / kg Kot) sowie in der Variante der Gruppenhaltung ohne zusätzliches Bewegungsangebot (SD2: 113,3 ms; Cortisolmetaboliten: 38,4 nmol / kg Kot). Dem Mittelwert der Gruppe nach zu folgern hatten die Pferde während der Einzelhaltung ohne Zusatzbewegung eine sehr große Stressbelastung (SD2: 123,8 ms; Cortisolmetaboliten: 37,5 nmol / kg Kot). Ein Vergleich der Gruppen- und Einzelhaltung hinsichtlich der Herzfrequenzvariabilität hat jedoch gezeigt, dass insg. 70 % der Pferde während der Haltung in einer Gruppe weniger Stress empfinden. Es gab aber auch Pferde (30 %), die in der Einzelhaltung eine abnehmende Stressbelastung zeigten, wobei hier der Einfluss der Rangordnung eine entscheidende Rolle zu spielen scheint. Durch die Auswertung mehrerer Messparameter (sowohl für Stress- als auch für Bewegungsverhalten) werden gleichgerichtete Tendenzen bei den Versuchsvarianten deutlich, allerdings ist eine eindeutige Gewichtung der Parameter nicht möglich. Somit ist die methodische Vorgehensweise dieser Untersuchung sehr positiv und als notwendig anzusehen, da die Messdaten auch immer gewissen Schwankungen durch externe Einflüsse unterliegen. Allgemein ist festzuhalten, dass Auslaufhaltungssysteme zwar eine gewisse Anregung zur Bewegung bieten, aber mit maximal vier Stunden (insg. 62 248 Min.) Bewegung pro Tag war der tägliche Anteil an Bewegung sehr viel geringer als beispielsweise bei Pferden in freier Wildbahn oder ganzjähriger Weidehaltung. Somit deckt ein Auslaufhaltungssystem trotz getrennter Funktionsbereiche und eines großen Auslaufs nicht den Bewegungsbedarf der Pferde, wenn keine zusätzlichen Bewegungsanreize und möglichkeiten angeboten werden. Eine zusätzliche Bewegung von Pferden ist nicht nur zur Gesunderhaltung des Bewegungsapparates und der Körperfunktionen notwendig, sondern auch um das Wohlbefinden und die Ausgeglichenheit der Pferde zu steigern.

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Giessen : http://www.dvg.net/ DVG Service, 2008

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